A.C. Rimini 1912
1 - 1
USD Recanatese
30. Januar 2011
Sonntag, 14:30 Uhr
Serie D, Girone F
(5. Liga Italien)

1.700 Zuschauer
(50 Gäste)

Stadio Romeo Neri (9.798)
Piazza del Popolo 1
47923 Rimini
Italien (Region Emila-Romagna)
So ein Mistwetter heute! Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt, Wind, Regen, bäääh! Da half nix außer ausschlafen, frühstücken, im Internet surfen und auf dem Hotelzimmer rumlungern um sich stundenlang dem einzig deutschen Fernsehsender Sat 1 zu widmen und sich nebenbei allerhand lustige Hopperstories zu erzählen. Wir machten uns dann so langsam zu Fuß Richtung Stadio Romeo Neri auf, wo der AC Rimini heute zum Heimspiel bat.

Der Verein wurde erst im vergangenen Sommer gegründet und gilt als Nachfolger von Rimini Calcio, welcher 2005-09 in der Serie B, also der zweiten Liga Italiens spielte. Der Klub stieg ab und musste nach dem verfehlten Wiederaufstieg 2010 Insolvenz anmelden. Unter anderem Namen gründete man sich also neu und ließ sich sportlich in die fünfte Liga einordnen. Das Stadio Romero Neri bietet zwei Geraden mit Stehtraversen, wobei eine Seite durch die mit 1.193 Sitzschalen ausgestattete überdachte Haupttribüne unterbrochen wird. Die Kurven sind mit mehreren einzelnen Stahlrohrtribünen bestückt. Es grenzte schon an ein Wunder dass das Spiel tatsächlich angepfiffen wurde. Von einem Rasenplatz konnte keine Rede mehr sein, es war die reinste Schlammgrube! Dementsprechend "unterhaltsam" wurde dann auch das Spiel. So wurde ein Ball mit einem Weitschuss direkt vor das leere Tor platziert, doch statt die fehlenden Zentimeter weiterzuspringen versank er auf Anhieb im Matsch vor der Torlinie und konnte geklärt werden. Der Tabellenzweite Rimini ging dann noch in der ersten Hälfte durch ein Eigentor in Führung, ehe der Gast aus dem 140 km enternten Recanati durch ein Elfmetertor ausgleichen konnte. Als das Spiel bereits am Laufen war trafen sowohl 50 aktive Heimfans als auch knapp 40 aktive Auswärtsfans ein und bezogen ihre Plätze auf den Stahlrohrtribünen hinter den Toren. Die Tifosi von Recanatese präsentierten sich dabei etwas lautstärker und melodienreicher als die des Gastgebers. Dürfte für sie allerdings auch sicherlich ein Saisonhöhepunkt sein! Auf dem Rückweg hatten Jörg und ich dann wieder mal etwas dazugelernt. "Hand raushalten" bei der Bushaltestelle wenn dort ein scheinbar unbedeutendes "Request Stop" steht! Als Strafe durfte man noch eine halbe Stunde länger in der Kälte rumstehen ehe uns der nächste Bus zu unserem geliebten Bahnhofssupermarkt brachte, wo wir unsere schon traditionellen Pizzastückte kauften um sie in der öffentlichen Supermarkt-Microwelle hinter den Kassen aufzuwärmen. Warum gibt es sowas nicht Hierzulande? Topp Idee! Am Abend gab es dann noch einmal das gleiche. Beim "Italiener" nebenan besorgten wir uns eine Pizza und ließen es uns auf dem Zimmer mit dem abendlichen Fernsehprogramm (ihr wisst schon welcher Sender) gut gehen. Zu der Zeit rief mich dann der Achmed an, welcher mein Angebot bei einer Mitfahrzentrale für die Strecke Köln-Münster am Dienstag im Internet fand. Er und sein Kollege müssten unbedingt mit und die Mitfahrgelegenheit müsste auf jeden Fall klar gehen. Klaro Achmed, ihr seid auf jeden Fall dabei! Ich würde einen kleinen Umweg über Köln machen, aber das würde sich bei dem Fahrtgeld ja auch rentieren.

Am nächsten Tag wurde das Wetter dann schon etwas besser. Wir nutzten den freien Tag um uns die Altstadt von Rimini und die verweisten Strände anzuschauen. Ganz nett hier, aber selbst im Sommer wäre Rimini ganz sicher nicht "meins". Russisch-Rimini wäre auch wohl der passendere Name der Stadt. Denn neben italienisch und englisch gilt russisch als drittwichtigiste Sprache in der Stadt. Rimini ist ein sehr beliebter Urlaubsort für Russen, auch wohnen hier sehr viele von ihnen. Unser Mittagessen suchten wir in der Altstadt und gefunden hatten wir "Arco Pizza", im Schatten des Triumphbogens. Der Besitzer war einfach nur Kult! Wir bestellten unser Essen und wurden auch schon bald im sehr akzentreichen englisch gefragt wo wir denn herkämen. Nach unserer Antwort "Germany" wollte er es genauer wissen. "Münster" meinte ich, "Bremen" meinte Jörg. "Bremen?? Becks!! Bäääääääh!!!" war seine Antwort, welcher er mit einem Finger im Hals bekräftigte. Er spendierte uns jeweils ein Glas "Ayinger", zum probieren. Es war ein Bier aus Bayern und schmeckte gar nicht mal so übel, aber wir konnten wohl kaum mal eben eine Kiste mit nach Hause nehmen. Am Abend meldete sich ein weiterer Mitfahrer für die morgige Fahrt an und auch Achmed meldete sich wieder und fragte wiederholt nach ob das denn morgen auch wirklich auf jeden Fall klar ginge. Ja Junge, wie abgemacht, werde morgen pünktlich um 16 Uhr am Kölner Hauptbahnhof sein! Nach einer weiteren Nacht im Hotel sollte es am nächsten Vormittag wieder nach Hause gehen. Diesmal waren mit uns gar nur 11 (!!!) Passagiere an Board der RyanAir-Maschine nach Frankfurt-Hahn. Die Strecke vom Flughafen nach Köln ging gut durch, unterwegs wurde noch zwei Mal mit Achmed telefoniert, welcher klar stellte dass er dann gleich um 16 Uhr am Hinterausgang des Bahnhofs steht und auf uns wartet. Wir erreichten pünktlichst die Rheinmetropole und ich qäulte mich durch die Stadt Richtung Hauptbahnhof. 16 Uhr, ich rufe Achmed an: "Tut tut tut". Keiner geht ran! Auch den anderen Mitfahrer erreiche ich nicht, der hat schon den ganzen Tag das Handy aus! Um 16:15 Uhr erreichte ich endlich Achmed: "Ahhh ja, brauchst du misch nicht mehr mitnehmen. Bin isch jetzt mit Zug gefahre!". Wäre dieser Typ in diesem Moment vor mir gestanden, ich hätte ihn ohne zu zögern auf der Stelle getötet! Mein Puls war auf 180 und der Hass stieg unweigerlich in mir hinauf! Aber mir blieb nichts anderes übrig als ihm ein paar Sachen an den Kopf zu werfen und wutentbrand den Hörer aufzuschmeissen. Jörg wollte in Köln rausgelassen werden und so wurde die Heimfahrt nach Münster alleine angetreten. Das Wochenende kam um Längen nicht an das vorherige lange Wochenende auf Malta heran, aber immerhin konnte der 30. Länderpunkt eingefahren werden und ein wenig Ruhe und Nixtun tat auch mal ganz gut. Kann man ruhig mal machen.



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