|
So
ein Mistwetter heute! Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt,
Wind, Regen, bäääh! Da half nix außer ausschlafen,
frühstücken, im Internet surfen und auf dem Hotelzimmer
rumlungern um sich stundenlang dem einzig deutschen Fernsehsender Sat 1
zu widmen und sich nebenbei allerhand lustige Hopperstories zu
erzählen. Wir machten uns dann so langsam zu Fuß Richtung
Stadio Romeo Neri auf, wo der AC Rimini heute zum Heimspiel bat.
Der Verein wurde erst im vergangenen Sommer gegründet und gilt als
Nachfolger von Rimini Calcio, welcher 2005-09 in der Serie B, also der
zweiten Liga Italiens spielte. Der Klub stieg ab und musste nach dem
verfehlten Wiederaufstieg 2010 Insolvenz anmelden. Unter anderem Namen
gründete man sich also neu und ließ sich sportlich in die
fünfte Liga einordnen. Das Stadio Romero Neri bietet zwei Geraden
mit Stehtraversen, wobei eine Seite durch die mit 1.193 Sitzschalen
ausgestattete überdachte Haupttribüne unterbrochen wird. Die
Kurven sind mit mehreren einzelnen Stahlrohrtribünen
bestückt. Es grenzte schon an ein Wunder dass das Spiel
tatsächlich angepfiffen wurde. Von einem Rasenplatz konnte keine
Rede mehr sein, es war die reinste Schlammgrube! Dementsprechend
"unterhaltsam" wurde dann auch das Spiel. So wurde ein Ball mit einem
Weitschuss direkt vor das leere Tor platziert, doch statt die fehlenden
Zentimeter weiterzuspringen versank er auf Anhieb im Matsch vor der
Torlinie und konnte geklärt werden. Der Tabellenzweite Rimini ging
dann noch in der ersten Hälfte durch ein Eigentor in Führung,
ehe der Gast aus dem 140 km enternten Recanati durch ein Elfmetertor
ausgleichen konnte. Als das Spiel bereits am Laufen war trafen sowohl
50 aktive Heimfans als auch knapp 40 aktive Auswärtsfans ein und
bezogen ihre Plätze auf den Stahlrohrtribünen hinter den
Toren. Die Tifosi von Recanatese präsentierten sich dabei etwas
lautstärker und melodienreicher als die des Gastgebers.
Dürfte für sie allerdings auch sicherlich ein
Saisonhöhepunkt sein! Auf dem Rückweg hatten Jörg und
ich dann wieder mal etwas dazugelernt. "Hand raushalten" bei der
Bushaltestelle wenn dort ein scheinbar unbedeutendes "Request Stop"
steht! Als Strafe durfte man noch eine halbe Stunde länger in der
Kälte rumstehen ehe uns der nächste Bus zu unserem geliebten
Bahnhofssupermarkt brachte, wo wir unsere schon traditionellen
Pizzastückte kauften um sie in der öffentlichen
Supermarkt-Microwelle hinter den Kassen aufzuwärmen. Warum gibt es
sowas nicht Hierzulande? Topp Idee! Am Abend gab es dann noch einmal
das gleiche. Beim "Italiener" nebenan besorgten wir uns eine Pizza und
ließen es uns auf dem Zimmer mit dem abendlichen Fernsehprogramm
(ihr wisst schon welcher Sender) gut gehen. Zu der Zeit rief mich dann
der Achmed an, welcher mein Angebot bei einer Mitfahrzentrale für
die Strecke Köln-Münster am Dienstag im Internet fand. Er und
sein Kollege müssten unbedingt mit und die Mitfahrgelegenheit
müsste auf jeden Fall klar gehen. Klaro Achmed, ihr seid auf jeden
Fall dabei! Ich würde einen kleinen Umweg über Köln
machen, aber das würde sich bei dem Fahrtgeld ja auch rentieren.
Am nächsten Tag wurde das Wetter dann schon etwas besser. Wir
nutzten den freien Tag um uns die Altstadt von Rimini und die
verweisten Strände anzuschauen. Ganz nett hier, aber selbst im
Sommer wäre Rimini ganz sicher nicht "meins". Russisch-Rimini
wäre auch wohl der passendere Name der Stadt. Denn neben
italienisch und englisch gilt russisch als drittwichtigiste Sprache in
der Stadt. Rimini ist ein sehr beliebter Urlaubsort für Russen,
auch wohnen hier sehr viele von ihnen. Unser Mittagessen suchten wir in
der Altstadt und gefunden hatten wir "Arco Pizza", im Schatten des
Triumphbogens. Der Besitzer war einfach nur Kult! Wir bestellten unser
Essen und wurden auch schon bald im sehr akzentreichen englisch gefragt
wo wir denn herkämen. Nach unserer Antwort "Germany" wollte er es
genauer wissen. "Münster" meinte ich, "Bremen" meinte Jörg.
"Bremen?? Becks!! Bäääääääh!!!" war
seine Antwort, welcher er mit einem Finger im Hals bekräftigte. Er
spendierte uns jeweils ein Glas "Ayinger", zum probieren. Es war ein
Bier aus Bayern und schmeckte gar nicht mal so übel, aber wir
konnten wohl kaum mal eben eine Kiste mit nach Hause nehmen. Am Abend
meldete sich ein weiterer Mitfahrer für die morgige Fahrt an und
auch Achmed meldete sich wieder und fragte wiederholt nach ob das denn
morgen auch wirklich auf jeden Fall klar ginge. Ja Junge, wie
abgemacht, werde morgen pünktlich um 16 Uhr am Kölner
Hauptbahnhof sein! Nach einer weiteren Nacht im Hotel sollte es am
nächsten Vormittag wieder nach Hause gehen. Diesmal waren mit uns
gar nur 11 (!!!) Passagiere an Board der RyanAir-Maschine nach
Frankfurt-Hahn. Die Strecke vom Flughafen nach Köln ging gut
durch, unterwegs wurde noch zwei Mal mit Achmed telefoniert, welcher
klar stellte dass er dann gleich um 16 Uhr am Hinterausgang des
Bahnhofs steht und auf uns wartet. Wir erreichten pünktlichst die
Rheinmetropole und ich qäulte mich durch die Stadt Richtung
Hauptbahnhof. 16 Uhr, ich rufe Achmed an: "Tut tut tut". Keiner geht
ran! Auch den anderen Mitfahrer erreiche ich nicht, der hat schon den
ganzen Tag das Handy aus! Um 16:15 Uhr erreichte ich endlich Achmed:
"Ahhh ja, brauchst du misch nicht mehr mitnehmen. Bin isch jetzt mit
Zug
gefahre!". Wäre dieser Typ in diesem Moment vor mir gestanden, ich
hätte ihn ohne zu zögern auf der Stelle getötet! Mein
Puls war auf 180 und der Hass stieg unweigerlich in mir hinauf! Aber
mir blieb nichts anderes übrig als ihm ein paar Sachen an den Kopf
zu werfen und wutentbrand den Hörer aufzuschmeissen. Jörg
wollte in Köln rausgelassen werden und so wurde die Heimfahrt nach
Münster alleine angetreten. Das Wochenende kam um Längen
nicht an das vorherige lange Wochenende auf Malta heran, aber immerhin
konnte der 30. Länderpunkt eingefahren werden und ein wenig Ruhe
und Nixtun tat auch mal ganz gut. Kann man ruhig mal machen.
|