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Nach
dem Spiel ist vor dem Spiel und so ging es nach der Rückkehr aus
Bukarest und nur zwei Arbeitstagen in dieser Woche am Samstagmorgen
auch schon wieder auf die Reise. 40 € für einen Hin- und
Rückflug nach Porto, wie sollte man denn da auch schon Nein sagen
können? Meinen Arbeitskollegen Dennis (Schalke) traf ich am
Münsteraner Hauptbahnhof und den Jan (Oldenburg) vor Ort am
Flughafen der niederrheinischen Gemeinde Weeze. Nach 1.614
Flugkilometern erwartete uns in Porto ein äusserst moderner
Flughafen wie man ihn so gar nicht erwartet hätte. Der Flughafen
ist ans Metro-Netz der 216.000-Einwohner-Stadt angeschlossen und man
könnte sogar direkt bis zum Estádio do Dragão
durchfahren. Ein 72-Stunden-Ticket mit dem alle öffentlichen
Verkehrsmittel der Stadt benutzt werden dürfen kostet 11 €. Wir
fuhren bis zum Hauptknotenpunkt Trinidade, von wo es nur noch wenige
Hundert Meter bis zu unserer Unterkunft "Pensão Avenida" waren.
Die Lage war absolut Topp, zentraler geht es wohl kaum, und der Preis
von 50 € für ein Dreibettzimmer absolut in Ordnung. Wir hatten
hier allerdings nicht viel Zeit, denn schon bald mussten wir zum
Bahnhof São Bento aufbrechen, welcher allerdings ebenfalls nur
knapp 300 Meter vor unserer Tür lag. Die Fahrt ins 45 km entfernte
Guimarães kostete schlappe 2,20 €, dafür erwartete uns ein
übelster S-Bahn-Terror mit knapp 25 Zwischenhalten und einer
80-minütigen Fahrtdauer.
Wir wussten dass es sich beim Spiel Guimarães
(2.) gegen Braga (7.) um ein Derby handelt, denn die beiden Städte
trennen lediglich 25 Kilometer. Allerdings hatten wir null Ahnung was
uns in Sachen Fans erwarten sollte. Nun wurden wir also umso mehr
überrascht, denn bei unserer Ankunft im Sackbahnhof
Guimarães wurden wir beim Versuch den Zug zu verlassen von den
behelmten Polizisten wieder in den Zug gedrängt! Der wohl letzte
der drei (!!) Sonderzüge aus Braga war gerade angekommen und die
teilweise nicht gerade zimperlich aussehenden Jungs (und Mädels)
marschierten auf unserem Bahnsteig Richtung Ausgang. Ja gut,
könnte doch wohl ganz nett werden heute Abend! Nachdem das
Spektakel am Bahnhof noch ein wenig beobachtet wurde und der Mob
über einen Umweg zum Stadion geleitet wurde, wählten wir
einen anderen Weg zum zwei Kilometer entfernten Estádio D.
Afonso Henriques und "freuten" uns über die Kartenpreise von 25
oder 40 €. Ich entschied mich für die allergünstigste
Variante. Die Spielstätte wurde 2003 eröffnet und war ein
Jahr später Austragungsort von zwei EM-Vorrundenspielen. Die
Tribünen dieses komplett überdachten All-Seaters
verfügen über jeweils zwei Ränge, wobei sich eine
Hintertorseite etwas stärker von den restlichen Tribünen in
U-Form unterscheidet. Hier ist auch das Bild vom Namensgeber des
Stadion zu finden. Alfons der Erste war Begründer und erster
König Portugals! Das Stadion verfügte vor diesem Spieltag
also über 30.146 Sitzschalen. Doch schon einige Zeit vor
Spielbeginn stand nur noch eine 29 vor dem Tausendertrennzeichen! Meine
Güte, was ist denn hier bitteschön los?! Der überaus
aggressive Gästemob riss eine Sitzschale nach der anderen aus der
Verankerung und warf sie Richtung Spielfeld und einer der beiden
heimischen Ultrá-Gruppierungen, der Ultras Insane, welche sich
direkt auf der Nachbartribüne neben dem Gästeblock
positionierten. Auch von hier flog alles was nicht niet- und nagelfest
war hinauf in den Oberrang der Gästetribüne (welche die gesamte Hintertortribüne darstellte). Sie nahmen sogar ihr eigenes Stadion auseinander und
schmissen ebenfalls mit Sitzschalen um sich. Mehrere Leuchtspuren und
Bengalen wechselten die Tribünen! Das was wir hier sahen konnte
nur eines sein: Absoluter Hass!! Zahlreiche Normalos auf der
Gästetribüne hatten da bereits die Schnautze voll und stiegen
über das Plexiglas auf die Haupttribüne, an dessen Rand wir
saßen. Zu Spielbeginn gab es dann eine Choreo der White Angels,
also der größeren Ultra-Gruppierung auf der
gegenüberliegenden Hintertorseite. Zu sehen war eine Festung mit
der Unterschrift "Guimarães eterna capital", also ewige
Hauptstadt. Tatsächlich wurde Guimarães 1140 zur ersten
Hauptstadt Portugals! Anschließend hielt das restliche Stadion
sinnlose weiße Zettel mit Sponsorenaufdruck in die Luft. Die
Stimmung im Stadion war toll. Sowohl Heim- als auch Gästefans
schmetterten ihre Gesänge auf Spielfeld und an der Hüpfeinlage
nahm sogar die gesamte Haupttribüne teil. Immer mal wieder
flackerten vereinzelte Bengalen auf. Für Zündstoff sorgte das
hochklassige Spiel! Die Gäste gingen nach 18 Minuten in
Führung, doch den Hausherren gelang nach 44 Minuten unter dem
lautstarken Aufschrei des Stadions der Ausgleich. Ein weiteres Mal
bebte das Stadion nach 83 Minuten, denn der Gastgeber konnte das Spiel
noch einmal zum letzlichen 2-1 Endstand drehen. Die zweite Hälfte
hatte allerdings nur noch halb so viel Energie, hier hatten Spiel und
Stimmung wesentlich nachgelassen. Vielleicht war es den elf
Brasilianern, welche bei diesem Spiel insgesamt in den
Startaufstellungen standen, ja auch einfach zu kalt und zu regnerisch
geworden.
Auf dem Rückweg zum Bahnhof half ein Omelett gegen das
Bauchknurren. Dann im Bahnhof mussten wir noch etwas auf die Abfahrt
unseres Zuges warten, denn erst sollten die drei Sonderzüge
abfahren. Immerhin konnte man sich auf die Bank im Warteraum setzen und
seelenruhig die vorbeilaufenden Fans aus Braga begutachten. Dabei
fielen uns auch zwei Deutsche auf, welche sich dann als Ivo und Daniel
vorstellten und Fans des KFC Uerdingen waren. Mit ihnen wurde die
Rückfahrt nach Porto verquatscht. Gegen ein Uhr hatten wir dann
unser doch eher rustikal eingerichtetes Hotelzimmer wieder.
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