3.
September 2010
Freitag, 20:45 Uhr
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EM-Qualifikation 2012,
Gruppe A
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47.000
Zuschauer
(9.000 Gäste)
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Stade Roi Baudouin
(50.093)
Avenue de Marathon 135
1020 Bruxelles
Belgien
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Nach
dem Nationenvergleich in Dänemark sollte nun endlich ein etwas
sinnvolleres Länderspiel besucht werden. Aus Fehlern wurde gelernt
und so wurden die Tickets diesmal gleich direkt über den
belgischen Verband und nicht über den Coca Cola-Fanclub bestellt,
was sich als sehr viel unkomplizierter und günstiger
herausstellte. Als Mitfahrer konnte Blaubacke Martin gewonnen werden.
In Dülmen stieg dann noch ein fußballinteressierter
Journalist mit seinem 15-jährigen Sohn zu, welche sich aufgrund
meines Angebots bei einer Mitfahrzentrale
meldeten und ebenfalls zum
Länderspiel nach Brüssel wollten. Mit einer angenehmen
Unterhaltung wurden die insgesamt 315 Kilometer in die Hauptstadt des
Königreichs Belgien gut rumgebracht. Vor Ort gab es dann etwas
Verwirrung bei der Parkplatzsuche, aber 200 Meter vor dem Atomium fanden wir dann einen
kleinen kostenlosen Gästeparkplatz. Hier im Umfeld des zur Expo
1958 errichteten Bauwerks (also auch im Stadionumfeld, denn Stadion und
Atomium trennen nur 300 Meter)
war auch schon gut was los, Tausende von Fans aus Allemagne waren
bereits auf den Beinen. Letztlich sollten es beachtliche 9.000
Gästefans werden, wobei 6.500 davon sich die Tickets so wie ich
über den belgischen Verband besorgten. Wie später zu lesen
war sollte der KBFV noch von der UEFA zur Rechenschaft gezogen werden,
da die Karten "unkontrolliert" verkauft wurden.
Am Eingang hört ich plötzlich ein "Ey Stadionfreund", ich
drehte mich um und konnte nun Daniel/MEPPEN die Flossen reichen. Auch
Vossi, Kessy und weitere bekannte Gesichter aus dem Emsland wurden
später noch gesichtet. Zur großen Verwunderung war auch
unser Zivi aus Meppen (!!) vor Ort und glänzte hinter dem
Stadioneinlass sogar in Polizeiuniform. Ob wir denn vorher auch noch in
der Stadt gewesen seien, fragte er. Nee! Aber wie später zu
hören war soll es dort noch mächtig geknallt haben. Das Stade
Roi Baudouin oder auch Koning Boudewijnstadion dürfte vielen noch
als das "Heysel-Stadion" bekannt sein. Die Geschichte des alten
Heysel-Stadions endete jedoch mit der Katastrophe vom 29. Mai 1985.
Kurz vor dem Europapokal-Endspiel zwischen Juventus Turin und dem FC
Liverpool kam es zu Ausschreitungen mit erheblichen Folgen. Englische
Hooligans stürmten ihren Nebenblock, welcher
eigentlich neutral gehalten werden sollte, tatsächlich aber
größtenteils mit italienischen Fans gefüllt war. Es
entstand eine Massenpanik in der zahlreiche Menschen totgetrampelt und
an den Zäunen und Mauern erdrückt wurden. Eine dieser
mittlerweile baufälligen Mauern brach unter dem Druck zusammen. 39
Menschen verloren aufgrund der Heysel-Katastrophe ihr Leben und
über 400 weitere wurden teils schwer verletzt. Das Spiel wurde aus
Sicherheitsgründen dennoch ausgetragen, alle englischen Teams
wurden als Konsequenz für fünf Jahre von europäischen
Wettbewerben ausgeschlossen, Liverpool gar sieben Jahre. Nachdem das
Stadion einige
Jahre leer stand folgte 1995 der Umbau zum heutigen Stadion. Das nun
mit 50.000 Sitzplätzen ausgestattete Leichtathletikstadion war im
Jahr 2000 Austragungsort von fünf Europameisterschaftsspielen,
darunter auch das Halbfinale zwischen Frankreich und Portugal. Es
bietet eine freistehende Haupttribüne sowie eine weitere
doppelstöckige Tribüne in "C-Form" rund um das Spielfeld. Zu
Spielbeginn hüllte sich das Stadion in schwarz-gelb-rote Farben
während die Nationalhymnee im Gästeblock kurz zuvor für
leichte Gänsehautatmosphäre sorgte. Später gab es immer
mal wieder lautstarke Gesänge von den 9.000 Gästen zu
hören, auch wenn diese Gesänge wohl weder kreativ noch neu
sind - dafür aber eingängig. Im belgischen Fanblock auf der
gegenüberliegenden Seite waren hin- und wieder einige
Klatscheinlagen zu beobachten und auch die 38.000 Belgier konnten mal
laut werden. Etwas kurios wirkte jedoch der Einsatz einer Blaskapelle
auf der Gegengeraden, welche die Gäste jedoch mit Humor aufnahmen
und das eine oder andere Mal sogar mit einstimmten. In einem
temporeichen Spiel gelang Miroslav Klose nach 51 Minuten das Tor des
Tages. Somit gelang dem WM-Dritten nach anfänglichen
Schwierigkeiten doch noch ein besonders durch die zweite
Spielhälfte verdienter Sieg. Die ersten drei Punkte auf dem Weg
zur Euro 2012 wären somit eingefahren.
Nachdem die Mannschaft sich gut gelaunt bei den Fans bedankte fanden
wir unsere beiden Mitfahrern am ausgemachten Treffpunkt. Eine
Rückfahrt ins Münsterland konnten wir nicht anbieten,
dafür jedoch eine Fahrt zu ihrer Unterkunft in Brüssel. Was
bekam der Junge doch plötzlich für große Augen, als wir
dabei durchs Rotlichtviertel fuhren und sich an den Laternen die eine
oder andere Dame räkelte. Martin und ich hatten unsere Unterkunft
im Formule 1 Brussels Airport gebucht, welches wir trotz
Großbaustelle dann auch irgendwann mal fanden. Die 9 € für
einen Parkplatz auf dem Hotelgelände waren uns dann aber doch
etwas zu happig, so dass der Wagen einige Hundert Meter weiter im
Industriegebiet abgestellt wurde.
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