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Das
Poststadion in Berlin brannte mir schon seit Jahren unter den
Fingernägeln. Vor sieben Jahren hatte ich mich einmal ohne Spiel
ins ehemals 60.000 Zuschauer fassende Stadion geschlichen und war
schier überwältigt von diesem verfallenen Stadion, dessen
Stehplatzränge längst total überwuchert waren.
Mittlerweile wurde das Stadion modernisiert und es ist nur noch wenig
vom alten Charme zu spüren. Die alte Haupttribüne steht zwar
noch, doch die hölzernen Sitzbänke in den oberen Reihen
wurden entfernt. Dieser Bereich ist nicht mehr zugänglich,
lediglich im vorderen Bereich wurden ein paar neue Sitzschalen
installiert. Ebenso wurde die Gegengerade mit 2.200 unüberdachten
Sitzschalen ausgestattet. Zur Zeit trägt hier Oberligist Berliner
AK seine Spiele aus. Mit dem Anschluss des BSV Mitte (die zuvor als BFC
Güneyspor und Fenerbahce Berlin gespielt hatten) wurde der BAK
(Berliner Athletik-Klub) im Jahr 2004 zu einem deutsch-türkischen
Multikultiverein. Zu Beginn der Saison 2006/07 ging man eine
Kooperation mit dem türkischen Erstligisten Ankaraspor ein. Der
Club nannte sich um in Berlin Ankaraspor Kulübü und galt als
Ausbildungslager für das türkische Team. Zu Beginn der Saison
2007/08 kündigte Ankaraspor überraschend das finanzielle
Engangement bei BAK auf. Der Verein heißt jedoch noch immer
offiziell Berlin Ankaraspor Kulübü, da es noch keinen
Beschluss der Mitgliederversammlung bezüglich einer
Rückumbenennung in Berliner Athletik-Klub gab. In der letzten
Saison sicherte man sich durch einen 1-0 Erfolg über den BFC
Dynamo den Berliner Pokalsieg und somit den Einzug in den DFB-Pokal.
Und so traf man sich heute zu einem Kräftemessen mit Bundesligist
Mainz 05. Die Mainzer hatten Probleme ins Spiel zu kommen und brauchten
38 Minuten bis zum ersten Treffer durch Holtby. Das zweite Tor,
ebenfalls durch Holtby, ließ bis zur 70. Minute auf sich warten.
Der BAK kam noch einmal zum 1-2 ran und hätte in einer
heißen Schlussphase fast noch den Ausgleich erzielt, aber die
Sensation blieb aus. Die Fans aus Mainz waren am heutigen Tage fast so
laut wie die Heimfans (welche mit türkischen Trommelrhythmen und
Gesängen auf sich aufmerksam machten). Gelegentlich gab es mal
etwas Bewegung zu sehen und leise Gesänge zu hören, aber das
wars auch schon. Vor dem Spiel lief mir der Schlomm über den Weg.
Perfekt, denn für Unterhaltung während des Spiels sowie auf
der Rückreise wurde nun gesorgt. Wir kamen mit einer Kanadierin
ins Gespräch, welche neben uns stand. Sie sei Fan von Toronto FC
und zur Zeit zu Besuch in Berlin. Als sie vom Spiel gehört hatte
wollte sich es sich nicht nehmen lassen hier einmal vorbeizuschauen.
Sie erzählte uns vom Fußball in Amerika und wir ihr vom
Fußball in Europa. Als wir ihr dann erzählten dass es mal
einen Mann gab der in seinem ganzen Leben lediglich ein
Fußballspiel gesehen hatte, und dieses Fußballspiel hier im
Poststadion stattfand, und wir dann noch sagten wer es war, ging sie
erstmal zwei Stufen nach unten. Aber sie erkannte wie es gemeint war
und plauschte schon bald mit uns weiter. Nach der amüsanten
Rückreise mit Schlomm und ohne Umstieg fand ich mich schon bald am
Hauptbahnhof von Münster wieder. Am Mittwoch endete mein Urlaub
und somit war mein Fußball-Sommer mit dem Jubiläumspass (mit
Ausnahme von Lüneburg gegen Meppen am folgenden Sonntag) beendet.
12.000 Bahn-Kilometer (auf deutschem Gebiet) lagen bisher hinter mir
und der Ärger über die Deutsche Bahn war erstaunlich gering!
Ich hätte es mir ehrlich gesagt weitaus schlimmer vorgestellt!
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