|
Der
Pokal hat seine eigenen Gesetze! So lautet das alte bekannte
Sprichtwort, welches heute mal wieder seine Bestätigung fand. Doch
eins nach dem anderen. Es war Pokal-Wochenende und am heutigen Samstag
entschied ich mich für einen Besuch das Spiels zwischen dem
Regionalligisten Chemnitzer FC und dem frischgebackenen
Bundesligaaufsteiger FC St. Pauli. Köstlichste Unterhaltung wurde
im Zug von Weimar Richtung Chemnitz geboten, in dem auch eine kleine
Gruppe Mönchengladbacher Voll-Assis auf dem Weg zum Pokalspiel
nach Aue war. "Ey sach mal, wie stehen wir eigentlich zu Aue?" - "Ja
voll gut, da gabs doch auch mal ein gemeinsames Spruchband von Aue und
Gladbach.". Nun wurde über eine vermeintliche Fanfreundschaft von
Gladbach und Aue diskutiert. Den Jungs fiel allerdings irgendwann auf
dass sie im falschen Zugteil saßen und sie in den vorderen Teil
mussten, welcher nach Zwickau fuhr um von dort Richtung Aue
umzusteigen. Wie gerne hätte ich den Jungs an dieser Stelle noch
geraten ihre Freundschaft zu Aue auf dem Bahnhof in Zwickau lautstark
Kund zu tun! Aber ich hatte keine Gelgenheit mehr da sie damit
beschäftigt waren sich gegenseitig auf die Nase zu hauen. Nach
meiner Ankunft in Chemnitz hatte ich nun noch 15 Minuten Fußweg
zum Stadion an der Gellertstraße vor mir. Eben noch ein Ticket
geordert und rein in die gute Stube. Das im Jahr 1934 eröffnete
Stadion verfügt über knapp 1.000 überdachte
Sitzplätze, 1.000 überdachte Stehplätze und 13.000
unüberdachte Stehplätze. An der traditionsreichen
Spielstätte nagt der Zahn der Zeit, aber gerade das gibt ihm das
besondere Flair. 10.433 Zuschauer kamen heute, darunter mehr als 1.000
Gäste, welche zu Spielbeginn rote Fähnchen
präsentierten, welche mit allerhand Rauch und vereinzelten
Bengalen unterlegt wurden. Auf Seiten der Chemnitzer wurde hingegen
eine originelle Choreo unter dem Titel "Unsere Vision - eure Mission"
gezeigt, in der sich mit Sternenhimmel im Hintergrund ein animiertes
FCK-Männchen auf dem Weg machte um den DFB-Pokal aus der Vitrine
des FC Bayern München zu stehlen und
nach Chemnitz zu bringen. Das Spiel begann und nach sechs Minuten
passierte das, was schon mal leicht passieren kann wenn ein Viertligist
auf einen Erstligisten trifft: Das erste Tor fiel! Nicht aber für
den Bundesligisten sondern für den Gastgeber und DDR-Meister von
1967 (als FC Karl-Marx-Stadt)! Im weiteren Verlauf der Partie spielte
Chemnitz auf alles andere als Ergebnis halten. Sie hatten noch
zahlreiche weitere Möglichkeiten und ließen Sankt Pauli am
heutigen Tage blaß aussehen. Beide Fanlager unterstützten
ihre Teams andauernd und lautstark und so war der Klassenunterschied
auch auf den Rängen nicht zu erkennen. Die Chemnitzer
überraschten mit ihrer Stimmgewaltigkeit. Besonders in der
Schlussphase kochte dann noch einmal das ganze Stadion und die
Zuschauer konnten den Schlusspfiff kaum abwarten. Dann war es soweit!
Schluss! Viertligist Chemnitz warf Erstligist St. Pauli aus dem Pokal!
Ein Spielbesuch ganz nach meinem Geschmack, ist doch immer wieder
schön wenn der Underdog den großen Favoriten zu Fall bringt.
Nach dem Schlusspfiff machte ich mich wieder zu Fuß auf dem Weg
zum Bahnhof. Kurz vor dem Ziel musste ich einen langen aber schmalen
Fußgängertunnel durchqueren. Ich hatte gerade die
Hälfte erreicht, da wurden die Schritte hinter mir immer
schneller. Ehe ich mich versah quetschte ich mich lieber an die Wand
und ließ den Mob der Chemnitzer an mir vorbeirennen, welche sich
scheinbar noch freundlich von den Gästefans verabschieden wollten.
Doch am Ende des Tunnels wartete nun eine Polizeikette und so stand ich
im Pulk und hoffte dass es bald weiterginge um meinen Zug noch zu
erreichen. So war es dann auch, ich erreichte meinen Zug in Richtung
Berlin. Mein Nachtquartier bezog ich im A&O Hostel am Zoologischen
Garten.
|