Hertha BSC Berlin II
2 - 2
Hallescher FC
6. August 2010
Freitag, 19:15 Uhr
Regionalliga Nord
(4. Liga)
550 Zuschauer
(250 Gäste)
Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark (19.708)
Cantianstraße 24
10437 Berlin-Prenzlauer Berg
Berlin
Ich hatte die Wahl zwischen ausschlafen und Mittagessen oder aber früh los um den eigenen kulturellen Horizont in Sachen Bundeshauptstadt noch ein wenig zu erweitern. Aber nee, nix erweitern, ein Besuch am wunderschönen Prenzlauer Berg bei Sonnenuntergang sollte vollkommen ausreichen. Die Hertha-Amateure sollten hier heute Abend zum Auftakt der Regionalligasaison auf den Halleschen FC treffen. Das Spiel wurde als Risikospiel eingestuft und aus "Sicherheitsgründen" vom Amateurstadion in den Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark verlegt. Dies weitläufige Leichtathletikstadion wurde 1952 erbaut und beheimatete ab 1953 zunächst den DDR-Oberligisten Vorwärts Berlin. Als der Verein 1971 jedoch nach Frankfurt (Oder) delegiert wurde, übernahm der BFC Dynamo das Stadion als Heimat und feierte dort zwischen 1972 und 1992 gleich neun Mal die DDR-Meisterschaft, ehe man ins Sportforum Hohenschönhausen zurück kehrte. Die DDR-Auswahl bestritt hier zehn Mal einen internationalen Vergleich. 1986-87 wurde das Stadion komplett saniert und erhielt die heutige Haupttribüne, bei der nächsten Sanierung im Jahr 1998 erhielt es seine charakteristischen bunten Sitzschalen. Diese 19.708 Sitzschalen zieren nun also das Stadionoval, welches auch aufgrund seiner großen Fliegenklatschen-Flutlichter ebenso irgendwo in Osteuropa stehen könnte. Überdacht ist neben der Haupttribüne auch die Gegengerade, so dass nur die Kurven und die Bereiche neben der Haupttribüne unüberdacht bleiben. Unterm Strich ein Stadion mit enormen Charakter! Das Spiel sollte um 19 Uhr beginnen, aber da das Gästeteams durch einen Stau verspätet ankam wurde der Anstoß ein wenig nach hinten verlegt. Offiziell kamen 424 Zuschauer plus Dauerkartenbesitzer, so dass es letztlich gut 550-600 gewesen sein dürften, wovon knapp 250 den Gästen die Daumen gedrückt haben. Das Spiel wurde mit fortschreitenden Spielverlauf immer ansehnlicher. Halle ging nach 37 Minuten mit 0-1 in Führung, ehe Herthas Rückkehrer "Zecke" Neuendorf kurz vor dem Seitenwechsel zum Ausgleich traf. Dann nach einer Stunde ging der HFC erneut in Führung und Herthas U23 glich ebenfalls erneut aus. Es folgte ein offener Schlagabtausch der beiden Teams mit zahlreichen Torchancen auf beiden Seiten! Zur Schlussphase schlossen sich dann auch einige Heimfans auf der Haupttribüne zusammen für ein paar Schlachtrufe ala "Hi-Ha-Höre Hertha Amateure". Die Hallenser Fans waren öfters mal zu hören, ohne jedoch dabei absolut zu überzeugen. Für das Ende dieser letztlich recht spannenden Partie sorgte Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus. Sie durfte sich heute so einige anhören! Nach einer strittigen Entscheidung hagelte es von der Tribüne nur so von Beschimpfungen. "Hu...!", "Fo...!", "Schl...!", alles war dabei! Sogar meine Sitznachbarn, welche sich kurz vorher noch stark über eine Gruppe Fans echauffrierten, die Unkenrufe bei einem dunkelhäutigen Spieler machten, waren vollens dabei! Nach Spielende gab es noch eine kleine Boxerei zwischen einzelnen Heim- und Gästeanhängern, bevor anstürmende grüne Gestalten mit Elan auf sie drauf sprangen und wie in der Tierwelt nicht mehr so schnell wieder wegließen. Nach einigen Minuten in der S-Bahn fand ich mich am Bahnhof Gesundbrunnen wieder, wo um kurz nach Zehn der CityNightLine nach Mannheim auf seine Abfahrt wartete. Ein Zuschlag von 10 € bedeutete für mich eine Nacht im Ruhrsessel.



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