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Kurzerhand
wurde die Elb-Variante Ústí
nad Labem & Dresden gegen die Elsass/Saar-Variante Strasbourg &
Saarbrücken eingetauscht. Grund hierfür ist peinlicherweise
ein Planungsfehler, so war ich in der falschen Annahme dass das
tschechische
Erstligaspiel am Freitag in Ústí
nad Labem und nicht etwa in der Ausweichstätte Teplice ausgetragen
werden würde. Das Ganze bemerkte ich dann beim nächtlichen
Online surfen wenige Stunden vor geplanter Abfahrt am Freitag morgen um
6 Uhr. Die Zugverbindungen von Teplice zurück Richtung Dresden
waren trotz geringer Entfernung zu Aussig um einiges schlechter. Auf
diesem Wege war kein zurückommen mehr möglich. Dabei wollte
ich mir am nächsten morgen unbedingt Zeit für Dresden nehmen
ehe die Partie von Dynamo gegen Jena auf dem Plan stand. Ach komm, ich
bin müde, ich hab keine Lust noch zwei Stunden rumzuplanen, ich
entscheide mich für die leichtere Variante welche aber ebenfalls
gefallen kann! Und so kam es dann.... am nächsten Morgen saß
ich im Zug Richtung République française.
Zuvor
allerdings plante ich noch einen zweiandhalb stündigen
Zwischenstopp in Heidelberg ein. Zwar war ich schon öfters dort,
doch hatte ich nie Zeit für die Sehenswürdigkeiten dieser
Stadt gehabt, und diese sollen ja gar nicht mal so übel sein. So
war es dann auch! Nach dem Besuch der wirklich hübschen Altstadt
überquerte ich den Neckar und stieg hinauf auf den Philosophenweg,
von wo es eine tolle Sicht auf die Altstadt und dem Schloss Heidelberg
gibt. Leider wird in Heidelberg und Umgebung kein nennenswerter
Fußball gespielt (hier gibts höchstens kleinere
Provinzvereine wie den Gehörlosen SV Heidelberg, TSV
Rot-Weiß Handschuhsheim, TSG Hoffenheim oder SG 2000 Eschelbach),
also führte mich mein Weg weiter zum nächstgelegenen
Fußballtempel in dem heute Abend gespielt werden sollte. Vom
Grenzbahnhof Kehl waren nur noch einige Minuten bis zur Station
"Krimmeri-Meinau" zurückzulegen, welche wenige Kilometer hinter
der deutsch-französischen Grenze liegt.
Direkt neben der Station ist das Stade de la Meinau zu finden. Hier
wurden 1984 zwei Spiele der Europameisterschaft ausgetragen und sogar
auf einen Einsatz bei einer Weltmeisterschaft (1938: Brasilien vs.
Polen) kann in der Historie des Stadions zurückgeblickt werden.
Der französische Meister von 1979, Racing Straßburg, ist
hier bereits seit der Eröffnung im Jahre 1914 Zuhause! Aktuell
bietet das reine Fußballstadion 29.320 überdachte
Sitzschalen, doch der Zahn der Zeit nagt ein wenig am Stadion. Wie vor
dem Spiel in einer Zeitung beim benachbarten amerikanischen
rot-goldenen Schnellrestaurant zu lesen war, gibt es mittlerweile
nahazu konkrete Umbaupläne um das Stadion tauglich für die EM
2016 zu machen. Heute kam es zum einen Spiel des "Cup de la Ligue", dem
französischen Ligapokal. Scheinbar ein nicht sehr beliebter
Wettbewerb im Land, so wurden die Tickets für das heute Spiel des
Zweitligaabsteigers Strasbourg gegen den Zweitligaaufsteiger
Évian für maximal 10 € und 5 € verscherbelt. Zu
Spielbeginn wirkte das Stadion dann auch recht verwaist, offiziell
waren 4.187 Zuschauer gekommen, doch es wirkte sogar noch etwas leerer.
Ein heimischer Fanblock war zwar auszumachen, und es wurde nach einiger
Zeit dann auch doch mal in minimaler Lautstärke gesungen, aber
wirklich viel war das ganz sicher nicht. Da waren sogar die
Gästefans lauter, welche nach ihrem Eintreffen nach gut 20 Minuten
mit ihren 16 Leuten mehr Stimmung machten als der Rest des Stadions!
Kurioserweise waren aus dem Gästeblock auch immer wieder
verschiedene Kuhglocken zu hören, was aber damit zu tun hat dass
der FC Èvian TG (wie er zumeist in Frankreich genannt wird)
ursprünglich aus Gailllard kommt, welches an der schweizer Grenze
nahe des Genfer Sees liegt! Und nun wirds interessant! Mittlerweile
erhebt der Verein den Anspruch die gesamte Region um Èvian und
Thonon-les-Bains zu vertreten. Der Club wurde 1924 als FC Gaillard
gegründet, benannte sich dann 2003 sowie 2007 nach jeweils einer
Fusion um und welchselte auch 2009 wieder seinen Namen (Vorgänger:
Olympique Croix de Savoie 74). 2008 wurde der Club gemeinsam von den
ehemaligen französischen Nationalspielern Zinédine Zidane,
Bixente Lizarazu und Alain Boghossian erworben! Nach der
Drittligameisterschaft und dem damit verbundenen Aufstieg in die zweite
Liga in diesem Sommer durfte nicht weiter im eigenen Stadion gespielt
werden. Es wurde der Antrag gestellt seine Spiele im schweizerischen
Genf austragen zu dürfen, doch dieser Antrag wurde von der UEFA
abgelehnt, nun spielt man im weiter entfernten Annecy. Was lehrt uns
das ganze? Der FC Évian TG ist ein ziemlicher Sinnlosverein!
Das Spiel wäre nach 90 Minuten mit 1-1 geendet, wenn man denn
nicht gerade in einer K.O.-Runde spielen würde. Nach fünf
Minuten in der Verlängerung drehte der Gastgeber das Spiel und
ging nun mit 2-1 in Führung. Doch der Gast glich noch einmal aus
und so kam ich notgedrungen noch in den Genuss eines
Elfmeterschießens, welches Évian letztlich für sich
entscheiden konnte. Normalerweise hätte ich das Spiel gar nicht
Zuende gucken können, denn eigentlich verlässt um 21:57 Uhr
der letzte Zug Meinau in Richtung Kehl. Heute Abend allerdings gab es
eine Baustelle auf der Strecke so dass es zum Schienenersatzverkehr
(nicht von Meinau, aber vom Gara Centrale, welcher per
Straßenbahn zu erreichen ist) kam und die letzte
Reisemöglichkeit von Strasbourg nach Kehl deutlich nach hinten
verschoben wurde. Um 23:40 Uhr war nun also Abfahrt. Perfekt! Ich
entschied mich nun dafür erst einmal Köln anzusteuern um im
Zug noch etwas Schlaf zu bekommen. Klappt merkwürdigerweise hier
meist besser als in irgendwelchen Unterkünften in denen ich
teilweise kein Auge zu bekomme.
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