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30
Minuten Regionalexpress trennen das sächsische Plauen vom
bayrischen Hof. Welch "Glück" wir doch hatten, gerade begann hier
im Zug vor großem Publikum die Aufführung der ultimativen
Freak-Show, bestehend aus zwei Jungs von wahrscheinlich 17-18 Jahren in
extrateuren Markenklamotten sowie einem Typen mittleren Alters, welcher
eine
Kombi aus Alfred E. Neumann, Barney Geröllheimer und Puck die
Stubenfliege darstellte. Nur so viel, das laute Reden und Rumgetue
endete mit einem gemeinsamen Besuch der drei auf der Toilette! *hust*
In Hof angekommen wurden Jörg und ich auf dem Weg zum Stadion
freundlich von einigen Jungs aus Schweinfurt begrüßt: "Ey
ihr Affen, seids Hofer?", "Nö, Groundhopper!". Noch einmal wurden
wir kritisch beäugelt, bevor wir dann langsam aber sicher aus dem
Visier der netten Kompanen, welche wohl auf der Suche nach Heimfans
waren um Freundschaftsbänder auszutauschen, verschwinden konnten.
Überhaupt, es war ganz schön was los hier! 2.200 sollten an
diesem Samstagabend das Eröffnungsspiel der diesjährigen
Bayernligasaison miterleben. Immerhin trafen hier zwei
Traditionsvereine aufeinander. Die Heimmannschaft trat 1974-78 als FC
Bayern Hof in der 2. Bundesliga an. 2005 fusionierte man mit der SpVgg
Hof zur SpVgg Bayern Hof. Dem Gast aus dem 150 km entfernten
Schweinfurt ist nach einem Jahr Abstinenz die sofortige Rückkehr
in die Bayernliga geglückt. 1974-76, 1990/91 und sogar noch einmal
2001/02 spielten die Unterfranken in der 2. Bundesliga. Die
Schweinfurter verfügen immer noch über eine aktive Fanszene.
Heute wurden neben mehreren Zaunfahnen auch ein "Gegen Repressionen -
Pro Fankultur" in den Mittelpunkt gestellt und das ganze mit
grün-weißen Fähnchen garniert. Zunächst war es
hier ruhig, aber später gab es dann immer mal wieder Gesänge.
Es schien als wurde zu Spielbeginn boykottiert, denn zahlreiche
Schweinfurter erhielten für dieses Spiel Stadionverbot. Seitens
der Hofer gab es keine ernstzunehmenden Gesänge. Ihnen wurde eine
schriftlich genehmigte Pyrojubiläumsaktion wenige Tage vorher
wieder verboten, so dass die Motivation der heimischen Fanszene an
diesem Tage gehörig in den Keller ging. Schade! So richtig
gefallen konnte an diesem Abend also weder die Stimmung noch das Spiel
(Schweinfurt ging nach gut 70 Minuten in Führung und Hof gelang
kurz vor Schluss der Ausgleich), dafür aber umso mehr das Stadion!
Die Grüne Au ist ein reines Fußballstadion ohne Laufbahn aus
dem Jahre 1931, welches an drei Seiten von Erdwällen umgeben ist
auf denen zahlreiche alte Stehplatzränge sowie zwei kleinere
überdachte Sitztribünen zu finden sind. Die Gegengerade ist
ebenfalls mit einer Sitztribüne bestückt, diese
Holztribüne bietet auf ihren Bänken gut 1.300 Zuschauern
Platz. In diesem Stadion spürt man förmlich noch die
Geschichte! Nachdem ich noch Bekanntschaft mit Dennis aus Bielefeld
machte, den ich einige Tage später bei einem Spiel noch mal
wiedertreffen sollte, verabschiedete ich mich von ihm und Jörg um
mich in der Nacht alleine auf den Weg zum Zürcher Derby zu machen.
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