Hammarby IF
2 - 3
IFK Norrköping
1. Mai 2010
Samstag, 16:00 Uhr
Superettan
(2. Liga Schweden)
11.232 Zuschauer
(250 Gäste)
Söderstadion (16.197)
Arenavägen 29
12127 Stockholm-Johanneshov
Schweden (Stockholms län)
Wieder einmal stand ein kleiner Wochenendausflug in ein mir bisher unbekanntes Land bevor. Ich folgte den Lockrufen des Stockholmer Derbys und fand -wo auch sonst- auf der Internetseite von Mister Tony Ryans (*1936 †2007) kleinem Flugbetrieb eine passende Verbindung. Mein Freitagabendlicher Flug führte mich jedoch zunächst über London-Stansted, welches als Drehkreuz immer wieder gut für Transitflüge zu zahlreichen europäischen Flugzielen dient. Nach geschlagenen sieben Stunden auf Britischem Boden, in denen scharmlos mein letzter 5 £-Schein auf den Kopf gehauen wurde, konnte meine Reise in die schwedische Hauptstadt fortgesetzt werden. Ich landete in Skavsta, einem Flughafen 100 km südwestlich meines Ziels. Für die 80-minütige Busfahrt dorthin waren exakt 198 Schwedische Kronen zu bezahlen, wobei 10 SEK den Wert von 1,05 € haben (berechne den Dreisatz!).

Nach kurzer Währungsbeschaffung und Tagesticketkauf für den städtischen Nahverkehr im Stockholmer Busbahnhof "Cityterminalen", machte ich mich mit der T-Bana (U-Bahn) auf den Weg zum ersten Spiel des Tages, welches mich nahe der Station "Globen" erwarten sollte. Hammar... nein Halt, was denkt ihr denn? Es war doch erst zwölf Uhr! Die Globenarena (1989 als größtes sphärische Gebäude der Welt eingeweiht) lud im Rahmen der "Euro Hockey Tour" zu einem Eishockeyspiel zwischen Finnland und Tschechien, welches ich mir bei dieser Gelegenheit nicht entgehen lassen wollte. Ich kaufte mir ein günstiges Ticket für den Oberrang und verfolgte das schnelle und kampfbetonte Treiben auf der Eisfläche. Die Arena war fest in finnischer Hand, überall wedelten Fähnchen mit der Flagge der Suomis. 5.143 Zuschauer sahen wie die Tschechen lange Zeit in Führung lagen, dann aber doch mit 4-1 überrollt wurden. Unglaublich jedoch wieviele Fans sich hier zum Niels (deutsch: Heinz) machen, einfach nur um den Clown zu spielen oder es einmal auf den Videowürfel geschafft zu haben. Um 15:30 sollte schon das nächste Eishockeyspiel stattfinden, Schweden lud zum Heimspiel gegen Russland. In unserem Lande wohl unvorstellbar, aber zeitgleich sollte nur 200 Meter weiter das Spiel von Hammarby ausgetragen werden. Zuvor traf ich mich jedoch mit Micha aus Essen, nebst reisefreudiger Schwester, um nach dem Ticketkauf (120 SEK für einen Sitzplatz hinter dem Tor) gemeinsam das Spiel zu verfolgen. Das Söderstadion versteckt sich zwischen seinen umliegenden Gebäuen und ist von Weitem bestenfalls durch die Flutlichter zu erkennen. Es hat durchaus einen gewissen Charme! Der 44-jährige Ground verfügt über zwei größere überdachte Sitztribünen an den Seiten, einer kleinen Tribüne mit Holzbänken hinter dem Tor sowie unüberdachten Plätzen auf der gegenüberliegenden Hintertorseite. Sehr Schade dass hier wohl nicht mehr allzu lange Fußball gespielt wird, denn südlich der Globenarena (das Söderstadion liegt nördlich davon) entsteht in Kürze mit der "Stockholm Arena" ein neues bis zu 30.000 Sitzplätze fassendes Event-Irgendetwas, in dem dann auch Hammarby seine Heimspiele austragen wird. Hammarby idrottsförening, Schwedischer Meister von 2001, musste im vergangenen Jahr die schwedische Eliteliga verlassen und versucht nun sein Glück in der "Superettan". Immer noch verfügt der Verein über eine beachtliche Anhängerzahl. Mehr als 11.000 waren heute gekommen, darunter gut 250 Gäste aus dem 170 km entfernten Norrkö
ping (Norrschöpping). Die heimischen "Bajen"-Fans (Bajen ist ein Synonym für Hammarby) protestierten mit Spruchbändern gegen unsittliche Anstoßzeiten, so gab es auch in gut zwei Meter hohen Buchstaben "Our game - our time" zu sehen. Der Support konnte gefallen, nicht unbedingt kreativ und abwechslungsreich, dafür aber immer laut und mit eingängigen Melodien "Oh Hammaby, oh Hammaby, oh Hammaby, Hamma-Hammaby, ..." Richtig gut waren auch die sich immer wiederholenden Wechselgesänge mit der Gegentribüne, wobei nach der jeweils ersten Antwort dieser Tribüne mit zahlreichen Pfiffen reagiert wurde, da die Antwort eindeutig zu leise war. Erst als mit einer passablen Lautstärke der Wechselgesang erwidert wurde, setzte der Spuck ein Ende und es gab Beifall! Auch die Gäste waren immer wieder in Aktion zu sehen, auf der gegenüberliegenden Seite allerdings kaum zu hören. Ein ganz schöner Pöbel war dabei. Mittlerweile verstand man den Nutzen des breiten Pufferblocks neben den Gästen! In einem gut anzusehenden Spiel gingen die Gäste gleich drei Mal in Führung, doch nur zwei Mal gelang den Hausherren der Anschlusstreffer. Dies hatte zur Folge dass die Gäste ein Tor mehr schossen und somit das Spiel gewannen! Dabei schien das Spiel kein Ende zu nehmen. Auch aufgrund von mehreren Verletzungspausen gab es eine beachtliche Nachspielzeit. Die Anzeigetafel reichte nur bis zur Zahl 99, eine Minute länger wurde jedoch noch gespielt. Dann aber war Schluss.

Ich verabschiedete mich erstmal von meinen beiden Sitznachbarn und steuerte das vorab gebuchte "Best Hostel Old Town" in Gamla Stan, der Altstadt im Herzen von Stockholm, an. Hier wartete auch schon der Nobelhopper (Maik) für den gemeinsamen Check-in, welcher uns stolze 26 € pro Kopf im 7-Bett-Zimmer kosten sollte. Wir bezogen das Zimmer und machten uns dann zu Fuß auf um ein wenig die Umgebung zu erkunden. So schlenderten wir also durch die schmalen Gassen der "Insel" Gamla Stan um dann am Schloss vorbei ins neue Zentrum der Stadt vorzustoßen. Das ganze mit einem Bier in der Hand, obwohl man sich nicht so ganz schlüssig war ob Alkohol in der schwedischen Öffentlichkeit nun verboten ist oder nicht. War es übrigens, was vielleicht auch den tuschelnden Spruch
"Guck mal, das müssen Deutsche sein!" eines jungen deutschen Touristen zum anderen erklärte. Alter Schwede, da haben wir ja noch mal so richtig Glück gehabt dass wir nicht hinter schwedische Gardinen gekommen sind. Man man man! Wir verabredeten uns am Abend im angesagten Södermalm-Viertel mit Micha (nebst Schwester) sowie dem Harza (nebst Kumpel mit Freundin), welche sich morgen ebenfalls das Derby geben wollten. So suchten wir uns zu Siebt eine nette Örtlichkeit für ein Bierchen, was bei mehr als 5 € pro Glas auch wirklich nur ein Bierchen blieb. Leider musste ich die Bitte aufgrund meines 25. Länderpunktes doch eine Runde auszugeben ablehnen. Da musste ich doch höflichst um Nachsicht und Verständnis bitten ;) Die Frauen wurden vom Hoppervolk mit allerhand abstrusen Groundhopping-Geschichten unterhalten, ehe man den Abend für Beendet erklärte und sich wieder zum Hostel aufmachte.


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