24.
März 2010
Mittwoch, 17:30 Uhr
|
Hrvatski Nogometni Kup
(Pokal Kroatien)
|
15.000
Zuschauer
(1.000 Gäste)
|
Stadion Maksimir
(37.168)
Ilica 31
10000 Zagreb
Kroatien |
|
Die letzte Reise lag noch keine 16
Stunden zurück, da zog es mich schon wieder in die Ferne. Bei
14,98 € für einen
Flug von Dortmund nach Zagreb und zurück konnte ich einfach nicht
Nein sagen,
besonders nicht weil der Spielplangott für den morgigen Mittwoch
das Vjeèni
Derbi (Ewige Derby) zwischen Dinamo Zagreb und Hajduk Split ansetzte. Den Länderpunkt Bosnien-Herzegowina
am Wochenende
wollte ich mir bei dieser Gelegenheit ebenfalls nicht entgehen lassen.
Um 08:15
Uhr am Dienstagmorgen hob der Flieger ab und brachte mich in einer
Fußballspiellänge in die kroatische Hauptstadt. Zuvor
allerdings bekam mir eine
ganz besondere Ehre zuteil, ich durfte mich einem Sprengstofftest
unterziehen!
Aufgrund meiner Kamera im Rucksack, so das Sicherheitspersonal,
würde dieser
Test durchgeführt werden. Es wurden Abstriche genommen und auf
Rückstände
überprüft. Doch ich hatte Glück dass ich ausgerechnet
heute kein Sprengstoff
dabei hatte, es wurde also nichts gefunden. In Kroatien angekommen,
brauchte
mich ein Shuttlebus nach einer halbstündigen Fahrtzeit für 30
Kuna (4,15 € -
7,2 Kuna sind also 1 €) zum zentralen Busbahnhof, welcher hierzulande
„Autobusni Kolovodar“ genannt wird. Ich verschaffte mir erste
Eindrücke der
Stadt am Fuße des Medvednica-Gebirges. Zagrebs schönste Ecke
dürfte wohl Gornji
Grad, also die mit historischen Gebäuden bestückte Oberstadt
sein. Sie ist
durch eine Zahnradbahn
oder aber durch einen Fußweg mit Donji
Grad (also der
Unterstadt) verbunden. Mittelpunkt der Stadt ist der
„Ban-Jelačić-Platz“, wo
sich auch fast alle Straßenbahnlinien kreuzen (ein Tagesticket
für die
zahlreich verkehrenden Trams kostet hier 25 Kuna und ist an einem der
zahlreichen Kioske erhältlich). So wirklich viele
Sehenswürdigkeiten hat Zagreb
allerdings nicht zu bieten und so zog es mich nach einem Marktbesuch
sowie
einem ersten Abstecher zum Stadion Maksimir zwecks Ticketkauf für
das morgige
Spiel erst einmal zu meiner vorab gebuchten Unterkunft namens „Hobo
Bear
Hostel“, nur wenige Gehminuten vom Zentrum entfernt. Freundlich wurde
ich vom
Mädel an der Rezeption empfangen und auch gleich in ein nettes
Gespräch
verwickelt. Internet gab es umsonst, alles war sauber und ordentlich
und somit
für 15 € die Nacht absolut zu empfehlen. Ich war froh nach den
anstrengenden
letzten Tagen mal wieder etwas abschalten zu können und war abends
früh wieder
auf dem Zimmer. Nun gesellten sich zwei junge Männer und ein
Mädel aus Sofia zu
mir ins 4-Bett-Zimmer. Die drei waren wegen einem Studentenfestival in
Zagreb.
Einer der beiden Typen leckte schon am Abend nicht gerade scheu mit dem
Mädel
rum und so kam es wie es kommen musste. Genau genommen drei Mal kamen
die
beiden dann in der Nacht, direkt im Hochbett über mir! Ich
verkniff mir
jeglichen Kommentar dazu, stellte mich schlafend und ließ dem
Paarungsakt der
jungen Bulgaren freien lauf. In der zweiten Nacht, welche sie ebenfalls
mit mir
in einem Zimmer verbrachten, zügelten sie Ihre Hormone. Am
Mittwoch gab es dann
unter anderem noch etwas Groundspotting beim NK Zagreb und im
Leichtathletikstadion
des Športski park Mladost,
ehe ich mit der Tram zum heutigen Spielort
aufbrach.
Im Stadionumfeld tummelten
sich schon
allerhand düsterer Gestalten. Gut eine Stunde vor Anstoß
betrat ich dann mit
meinem Ticket für 60 Kuna (8,35 €) das Stadion, welches mehr als
nur gefallen
konnte! Unter den markanten Flutlichtern bieten vier verschiedene
unüberdachte
Tribünen 37.000 Menschen Platz. Zwei der Tribünen sind
doppelstöckig, wobei
sich der jeweils obere Rang wie eine Karte über den unteren Rang
zu schieben
scheint. Von Außen wirkt es teils modern mit Glasfassanden und
teils alt, was
daran liegt dass es wohl eine ewige Baustelle bleiben wird, da
während der
Umbaumaßnahmen das Geld ausgegangen ist. Langsam füllte sich
das Stadion mit
letztlich 15.000 Zuschauern. Mehr als ich gedacht hatte,
schließlich soll der
Pokal in Kroatien einen nicht ganz so bedeutenden Stellenwert
einnehmen. Zudem
ist dies nur das Hinspiel, ein Rückspiel auf gegnerischem Platz in
Split folgt
noch. Ich war sehr gespannt auf die Atmosphäre und war
zunächst ein kleines
bisschen enttäuscht. Zu Spielbeginn gab es zwar schon einige laute
Gesänge der
Bad Blue Boys auf der einen Seite und den Gästefans rund um die
Torcida Split,
doch diese waren auch nicht besser als vor drei Wochen in Aachen. Doch
langsam
wurden sie immer lauter und intensiver so dass sie mich letztlich doch
absolut
in den Bann reissen konnten. Sehr beeindrucken konnte die
Geschlossenheit der
BBB, welche auf ihrer Tribüne über ihrer sehr imposanten
riesigen Fahne
vollsten Einsatz zeigten. Jeder machte mit beim einklatschen, beim
hüpfen und
beim singen. Auch der Pogo war ein wahnsinniger Anblick! Die Gäste
waren
ebenfalls ständig in Aktion zu sehen, doch ich saß
näher an den Heimfans, so dass
diese natürlich wesentlich lauter wirkten. Doch Split schien die
melodischeren
und eingängigeren Gesänge gehabt zu haben. Immer wieder
tauchten einzelne
Bengalen auf, doch Mitte der zweiten Hälfte, es waren immer noch
keine Tore
gefallen, nahm das Stadion dann Höllenähnliche Zustände
an! Ich musste meine
Augen weit aufreissen um zu erfassen was sich nun bei den BBB
abspielte.
Plötzlich wurde die Tribüne mit unzähligen
Bengallichtern beleuchtet und ohne
Unterbrechung flogen immer wieder Leuchtspuren und Bengalen die
Brüstung vor
der Tribüne herunter. Was für ein absolut geniales Bild! Kurz
darauf gab nun
auch die Torcida ihr bestes und machte ihre Kurve ebenfalls zu einem
hammergeilen Anblick! Auch hier gab es nun ein übelst wildes
Pyro-Chaos und
ebenfalls wurden die Bengalen immer wieder auf der Tartanbahn entsorgt.
Absolut
Weltklasse! Die BBB katapultierte dabei auch Pyro aufs Spielfeld (was
nun aber
wirklich nicht sein muss, da es ins Spiel eingreift), woraufhin das
Spiel kurz
unterbrochen wurde bis das Spielfeld wieder frei gemacht wurde, dann
gings
sofort weiter. Mittlerweile wusste ich gar nicht mehr wohin mit meinen
Augen
und mein Kopf bewegte sich so wie bei dem Besuch eines Tennisspiels.
Das Pyro
schien die Atmosphäre im Stadion noch wesentlich weiter
aufzuheizen, so dass
die Gesänge nun noch lauter wurden als zuvor schon. Wie schon
zuvor gab es
recht laute Wechselgesänge der Heimfans zwischen
Hintertortribüne und
Gegengerade. Ich fühlte mich Pudelwohl und genoss diese Momente,
für die ich
diese Anreise nach Kroatien sehr gerne in Kauf genommen habe. Vom Spiel
selbst
sah ich nur wenig, doch die Abwehr rund um Robert Kovač im Diensten von
Dinamo
machte ihre Arbeit genauso gut wie die gegnerische, so dass es leider
Torlos
blieb. Nach Spielende gab es zwischen den beiden Fangruppen noch einige
Zeit
Gesänge. Mittlerweile war zu sehen dass in beiden Blöcken
einige Sitzschalen brannten.
Ich machte mich auf dem Rückweg zum Hostel, welches
praktischerweise an die
gleiche Straßenbahn-Linie angeschlossen war. Schön ruhig und
bloß nicht
auffallen, denn neben mir in der Bahn waren einige mächtig
besoffene Bad Boys,
mit welchen ich mich sicherlich nicht anlegen wollte.
|

|
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
|