20.
März 2010
Samstag, 18:00 Uhr
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tipp3 Bundesliga
(1. Liga Österreich)
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15.327
Zuschauer (ausverkauft)
(1.200 Gäste)
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UPC-Arena (15.327)
Stadionplatz 1
8041 Graz-Liebenau
Österreich
(Steiermark) |
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Ein
Uhr nachts, schönen guten Morgen! Am Schlaf war in der kurzen Zeit
einfach nicht zu denken, viel zu viel Vorfreude hatte ich auf die erste
richtige Tour seit einem Jahr, welche allerdings nach zwei Tagen
aufgrund der Flugverbindungen noch einmal kurz unterbrochen werden
sollte. Während andere um diese Zeit also noch munter von Disko zu
Disko wankeln, machte ich mich bereits auf den 150 km weiten Weg zum
kurz vor der niederländischen Grenze gelegenen Airport Weeze.
Fünf Euro kostete der einfache Flug ins slowakische Bratislava.
Parkplätze am Flughafen sind teuer und so richtig Lust hatte ich
nicht darauf vier Mal mehr für das Parken als für den Flug zu
zahlen. Also entschied ich mich den Wagen bis ins Dörfchen Wemb zu
manövrieren, ihm dort ein nettes Plätzchen für die
kommenden zwei Tage zu suchen und die restlichen gut 3 km zum
Flughafen per Pedes zurückzulegen. Clever, Clever, das muss ich
mir bei aller Bescheidenheit ja mal eingestehen! Pünktlich um
06:10 Uhr hob die Boing 737-800 des bekannten irischen Billigbombers
dann auch schon ab und machte mich heil auf slowakischen Boden. Hier
stand auch schon ein Biel mit dem Endziel Wien-Erdberg bereit, welcher
mich nach Übergabe eines druckfrischen 10 €-Scheins mitnahm. Zu
Fuß wurden nun die 4 km zum Wiener Südbahnhof
zurückgelegt, wo das Ticket für die Fahrt nach Graz erstanden
wurde. Die Bahnfahrt in Österreich sollte der teuerste Teil der
ganzen Tour werden. Im InterCity (welcher ab Wien-Meidling fuhr) musste
nun ein nettes Abteil-Plätzchen für die 2 1/2-stündige
Zugfahrt gesucht werden. Ah, ein gut aussehendes Blondchen, ganz
alleine im Abteil. Nix wie rein da, also ins Abteil. Sie machte auch
gleich einen kontaktfreudigen Eindruck und fragte mich in welche
Richtung der Zug denn wohl gleich fahren würde, da sie ungerne
entgegen der Fahrtrichtung sitzt. "Ist das nicht egal?" reagierte ich
und zeigte auf die drei freien Plätze gegenüber von ihr.
Klischee bestätigt, würde ich da mal sagen! Gegen Mittag
erreichte ich nach den herrlichen Aussichten auf die Berge
der Steiermark die Stadt Graz. Was tun mit der Zeit bis zum
Anstoß um 18 Uhr? Sieh mal einer an, der Schlossberg sah auf den
Bildern einer im Hauptbahnhof ausliegenden Touristenbroschüre ganz
nett aus. Kurze Zeit später saß ich auch schon in einer
Zahnradbahn,
welche mich bei 61%-iger Steigung gemeinsam mit einigen
anderen auf den Berg hiefte. Eine herrliche Aussicht von hier oben,
absolut zu empfehlen bei einem Besuch in Graz. Die Sonne tat ihr
Übriges zur Wohlfühllaune hinzu. Nun noch ein kleiner
Spaziergang durch die Altstadt und auf gings zur Straßenbahn
Richtung Stadion im Ortsteil Liebenau.
Die zuströmenden Besucher
wurden an der Außenseite des Stadions mit einer Zaunfahne
"Pyrotechnik ist kein Verbrechen" empfangen. Hierzu sei gesagt, dass es
seit Januar 2010 in Österreich ein neues verschärftes
Pyrotechnikgesetz gibt, welches den zahlreichen Pyroeinsatz in
Österreich ein Ende setzen soll. Mit einem Print-at-home Ticket in
der Tasche verschaffte ich mir einen ersten Eindruck des heute mit
15.327 Zuschauer ausverkauften Stadions. Bei der Arena, welche den
meisten noch als Liebenauer Stadion oder Arnold-Schwarzenegger-Stadion
bekannt sein dürfte, handelt es sich um einen einen All-Seater mit
einem rundrum geschwungenen Dach. Die Ränge füllten sich mehr
und mehr und bereits eine Stunde vor Kick-off duellierten sich die
beiden Fangruppen, welche ohne Zweifel zu den besten des Landes
gehören, und sorgten bereits für Gänsehaut! Als dann
schon lange vor Spielbeginn beide Fangruppen Choreoelemente zum Thema
Pyrotechnik bereit machten, stieg der Puls in lauter Vorfreude ins
Unermessliche. Irgendwann laß ich dann mal was die Rapid-Spieler,
welche sich aufwärmten, eigentlich auf ihren T-Shirts stehen
hatten. Nein, das konnte doch einfach nicht wahr sein! Kurz bildete ich
mir ein mein Verstand hätte mir aufgrund des Schlafentzugs einen
Streich gespielt, aber auch beim zweiten Hinschauen stand es immer noch
auf den Shirts der gesamten Rapid-Mannschaft: "Pyrotechnik ist kein
Verbrechen!". Wie geil ist das denn bitteschön? Auch die Spieler
von Sturm Graz trugen solch ein Shirt! Bevor das Rapid-Team wieder in
die Kabine verschwand legte jeder von ihnen solidarisch sein Leibchen
auf die Bande vor dem Gästeblock und wechselte noch ein paar
Wörter mit den Fans. Absolute Weltklasse!
Endlich liefen die Spieler wieder ein, nun konnte die Show erst so
richtig beginnen. Die zahlreichen Rapid-Supporter präsentierten
hinter einem lichtdurchlässigen "Pyro ist Leiwand!" ein Meer von
Bengalen und Doppelhaltern. Die gesamte Heimkurve hingegen nebelte erst
sich und dann das Spielfeld komplett in
rot-gelb-blauen Rauch ein, was ebenfalls
ein sehr
starkes Bild abgab! Dazu wurden zwei überdimensionale
Zigarettenschachteln mit den Aufschriften "Bengauloises Blondes -
Pyrotechnik macht abhängig" sowie "Marlpyro - Rauch kann Ihnen und
den Menschen in Ihrer Umgebung pure Freude bereiten" gezeigt. Dann
während der kommenden 90 Minuten glänzten beide Fanlager mit
einem tollen Support, wobei es immer wieder gegenseitige Anfeindungen
gab. Nur in einer Sache war man sich einig. Lautstark sangen beide
Gruppen zusammen das mittlerweile altbekannte "Pyrotechnik ist kein
Verbrechen!" nachdem sich
ergänzende Spruchbänder gezeigt wurden. Die Grazer zeigten
"Wer Stadien nur von Aussen kennt und wegschaut wenn die Kurve
"brennt". Wer unbescholtene Bürger quält...", während
die Wiener weiterführten: "...der hat die Position verfehlt! Darum
sagen wir es kurz + knapp. Fr. Fekter bitte Dankens ab!". Gespielt
wurde nebenbei auch noch. Graz konnte nach 65 Minuten durch einen
Foulelfmeter in Führung gehen, doch dann kam die
"Rapid-Viertelstunde", welche von den Rapid-Fans traditionell
euphorisch begleitet wird. Sie drehten nun noch einmal richtig auf und
unterstrichen ihren tollen mit drei Trommeln unterstützten Support
immer wieder mit vereinzelnten Bengalen. Und tätsächlich, nun
nach 83 Minuten gelang Rapid unter großem Jubel noch der
letztlich verdiente Ausgleich!
Nach Spielende führte mich mein Weg zurück nach Wien, wo noch
einige Stunden herumgebracht werden mussten, ehe die Weiterfahrt nach
Bratislava geplant war.
Linktipp: www.pyrotechnik-ist-kein-verbrechen.at
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