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Im
Fernsehen lief nichts. Aber ich hatte da doch noch etwas in der
Hinterhand. Fussball.de bot ein Spiel im Südosten der Stadt an,
und ich nutzte kurz vor knapp die Gelegenheit und schlug zu. 20 Minuten
Stadtverkehr waren noch zu absolvieren, und das für die paar
Kilometer. Das Vereinsheim an dem ich vorbeikam war verschmirrt mit
Grafities, irgendwelche Fikal-Wörter begrüßten die
Zuschauer. Und dann stand ich da, mit gut weiteren 18 Schaulustigen am
Rande eines Schlackeplatzes in einem Münsteraner Außenbezirk
um sich feinste B-Liga-Kost anzuschauen. Eine leichte Kost, etwas Fad
und nicht besonders gut gewürzt, aber immerhin schnell zu
verdauen! Die 22 Mann auf dem Spielfeld gingen nun also ihrer
Freizeitbeschäftigung nach. Vielleicht wünschten sie sich
doch lieber Zuhause auf der Coach zu liegen, als es plötzlich
unwetterartig anfing zu regnen. Während sich die Zuschauer ins
Vereinsheim verzogen und ich Schutz unter dem Dachsims des Vereinsheims
fand, ging das Spiel auf dem mittlerweile aufgeweichten roten
Aschegeläuf weiter. Zwei Tore sollten an diesem Abend fallen,
beide für den Gast aus dem Norden der Stadt. Hinter meinem
Rücken im
Vereinsheim lief gerade die Frauen-EM in Finnland. Die Tribünen
kamen mir bekannt vor. Damals stand ich nur vor den Toren, schielte ins
menschenleere Ratinan Stadion in Tampere, der Ground konnte an diesem
Tage leider nicht fallen. Irgendwie wünschte ich mich nun dorthin.
Warum? Wahrscheinlich wünschte ich mir gerade einfach nur in einem
richtigen Stadion irgendwo im Ausland zu stehen, irgendein Spiel zu
sehen, verschiedenste Eindrücke zu sammeln und einfach nur das
Gefühl der Freiheit zu spüren. Aber ich blickte zurück
auf den mittlerweile mit Flutlicht ausgeleuchteten Platz und sah in den
vier Stufen am Spielfeldrand auch schon das höchste aller
Gefühle. Trainer, was guckst du so? War ich vielleicht zu
auffällig mit meiner Kamera? Vielleicht, denn bei Vereinen mit 20
Heimzuschauern bei freiem Eintritt, welche zu 99% aus Angehörigen
bestehen, kann das schon mal vorkommen. Eine Idee wäre sich immer
passend anzuziehen! Einfach mal den feinen Anzug anziehen, wenns mal
zum Fußball ins Nobelviertel geht. Oder ruhig mal Gummistiefel
anziehen und Mistforkel mitbringen, wenns auf platte Dorf geht. Und
wenns auf Sportplätze an die See geht, sich einfach mal als
Matrose verkleiden und Leuchtfackeln zünden. Inzwischen hatte der
Regen wieder nachgelassen, doch es blieb herbstlich ungemütlich.
Muss denn das schon Anfang September sein? Im Hintergrund waren
Donnerschläge zu hören, aber das Gewitter blieb fern. Der
Schiedsrichter beendete das Spiel pünktlich, ich drehte ab, setzte
mich hinter das Lenkrad meines Wagens und steuerte nun meiner eigenen
Coach entgegen. Aber Halt, vorher noch schnell Online gehen, eine neue
Zeile in der Spieleliste einfügen und dort hineinschreiben "BSV
Fortuna Münster vs. SC Westfalia Kinderhaus II - 9. Liga - 19
Zuschauer".
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