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Still
und heimlich versteckte sich seit Monaten ein LIDL-Bahnticket in der
Schublade meines Schreibtisches. Erst kurz vor Ablauf seiner
Gültigkeit meldete es sich bei mir mit den Worten "Ey
Stadionfreund, lass mal das Ostbayernderby antischen!". Gesagt, getan
und so fand ich mich am Freitagabend im letzten Zug gen Münster
wieder (Frühverbindung am Samstagmorgen hätte nicht gereicht)
um gegen 01:30 Uhr via Umstieg in Mainhatten die Oberpfalz-Metropole
Regensburg anzusteuern. Kurz vorm Ausstieg am Zielbahnhof starrten sich
dann plötzlich zwei verdutzte Gesichter an und fanden bald die
Worte "Auch zum Derby?" - "Ja sicher!". Es war Hopperkollege Ingmar,
mit dem man schon mehr als ein Dutzend gemeinsame Spielbesuche hinter
sich hatte. So war für Unterhaltung am restlichen Tage gesorgt,
bestens!
Per Pedes machten wir uns auf den Weg zum Jahnstadion, welches nach
einer gut halben Stunde erreicht werden konnte. Der SSV Jahn wird diese
Anlage in naher Zukunft verlassen, denn es gibt Pläne für
eine neue Arena außerhalb der Stadtgrenzen. Das aktuelle Stadion
wirkt zwar etwas verbaut, ist aber doch ganz nett anzuschauen. Die
überdachte Haupttribüne ist mit Holzbrettern ausgestattet,
welche mit roten Sitzschalen versehen wurden. Das restliche Rund
besteht aus unüberdachten Stehtraversen, wobei ein in die Jahre
gekommener Teil neben der Tribüne bereits gesperrt wurde. Nach
einem kleinen Stadionrundgang vertrieben wir uns die Zeit in der urigen
Stadionkneipe (mit unzähligen Vereinswimpeln vom benachbarten
Dorfclub bis Victoria Bucuresti) unter der Haupttribüne bei Wurst
und Pommes. Mit uns am großen Tisch einige alteingesessene Bayern
in Stammtischlaune. Kam nicht oft vor dass man da auch nur ein Wort
verstanden hatte! Ja Herrschaftszeiten, die depperte Uhr hats doar oar
scho wier fast dreiviertel zwo g'schlage, drum hamma Auf gehts g'sagt
und san losgangen. Kurz vor Spielbeginn nahm sich der Präsident
noch Zeit für eine doch recht unterhaltsame Wutrede (unter der
Woche wurde dem Verein wegen angeblich nicht bezahlter Rechnungen der
Strom abgedreht, die Schlagzeilen überschlugen sich), welche mit
den Worten "Als ich gefragt wurde ob ich hier Präsident werden
möchte, hatte ich keinen blassen Schimmer von Fußball. Aber
ich dachte mir das macht sich ja ganz gut und du kannst vor deinen
Enkeln gut damit angeben!" eingeleitet wurde. Cooler Typ! Im Spiel
trafen zwei Mannschaften aus der unteren Tabellenhälfte der 3.
Liga aufeinander. Es entwickelte sich eine ansehnliche Partie, bei der
der Gastgeber letztlich durch ein schönen Treffer die Oberhand
behielt. Auf Seiten der Ultras Regenburg wurde zu Spielbeginn eine
Choreographie mit dem Untertitel "Wir ehren unseren Sport- und
Schwimmverein Jahn Regensburg" präsentiert. Später gab es
Spruchbänder wie "Fight Club UBS? Chill out UBS? Viel Glück
bei eurer Selbstfindung!!!" oder "Burghausen Hooligans ziehen Bilanz -
Sieger im PET- Flaschenweitwurf - Sieger im Rastplatzsprint - Auf eine
erfolgreiche Zukunft". Auf Gästeseite hingegen wurden Folienschals
in den Farben schwarz, weiß und grau mit dem Transparent "Heut
hau ma's weg" gezeigt, untermalt durch ein wenig Rauch. Der Support auf
beiden Seiten war durchaus gut und recht ausgeglichen. Lediglich die
Tatsache dass auf beiden Seiten zeitgleich die selben Lieder gesungen
wurden ließ einem Minuspunkte verteilen.
Nach einem kleinen Abstecher zur Unterkunft von Ingmar zog es uns in
die Altstadt. Zwar sollte ich an diesem Tag nicht mehr in Regensburg
übernachten, doch es waren noch einige Stunden bis zur Abfahrt des
Zuges zu überbrücken. Regensburg verfügt über ein
sehr ansehnliches Zentrum, sollte man unbedingt mal besucht haben. In
einer Bar wurde eine Leinwand ausgemacht auf der heute das
Länderspiel zwischen der DFB-Elf und Liechtenstein übertragen
wurde. Bis 22 Uhr hielt es mich hier, dann wurde es Zeit mich zu
verabschieden. Es waren noch 1,5 Stunden Fahrt bis nach München.
Eigentlich gar nicht meine Richtung, doch um 01:30 Uhr sollte hier ein
ICE bis nach Düsseldorf durchfahren. Eine gute Gelegenheit etwas
Schlaf zu tanken.
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