6.
März 2009
Freitag, 19:00 Uhr OEZ
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Liga I
(1. Liga Rumänien)
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7.000
Zuschauer
(250 Gäste)
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Stadionul Municipal
Vaslui (15.000)
Boulevard Ştefan cel Mare
RO-730227 Vaslui
Judet Vaslui, Rumänien |
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Bereits
um 5 Uhr am Morgen klingelte der Wecker. Aliona hielt ihr Versprechen
uns Auf Wiedersehen zu sagen und stand vor unserer Abreise total
verschlafen im Pyjama vor uns.
Sie wünschte uns alles Gute, vielleicht würde man sich ja in
1-2 Jahren bei unserem
nächsten Besuch wiedersehen. Möglich wärs! Nun aber galt
es für uns nach Rumänien aufzubrechen. Ein Bus an der Ismail
Str. Haltestelle war nicht auszumachen, so musste nach etwas Warterei
also ein Taxi zum Südbahnhof her (40 MDL). Die Busfahrt ins 150 km
entfernte rumänische Iasi (gesprochen Jasch) wurde am Tag zuvor
für 104 MDL (7,70 €) erstanden. Züge fahren hier nur einmal
am Tag. Abfahrt des mit knapp acht Fahrgästen besetzten Sprinters,
wobei immer wieder mal welche Ein- oder ausstiegen, war um 06:30 Uhr.
Vor der Grenze verteilte der Fahrer fleissig einige Schachteln
Zigaretten an einige Fahrgäste, welche später wieder
eingesammelt wurden. Nach dem unser Reisepass mit einem Ausreisestempel
der Marke "Moldova" reicher war, folgte kurz darauf die rumänische
Grenzstation. Alles raus aus dem Wagen und rein ins Gebäude zur
Taschenkontrolle. Als Deutsche hatten wir hier relativ wenig Probleme
und es wurde nur oberfläch geschaut. Auch der Kanadier aus Sofia,
mit dem Jens ins Gespräch kam, hatte durch seinen Pass fast schon
Narrenfreiheit. Ein wirklich netter Typ, erinnerte mich jedoch
irgendwie etwas an die Wrestling-Legende "The Undertaker". Bereits um
10 Uhr (erheblich früher als erwartet, aber es gab keinerlei
Grenzstau)
erreichten wir Iasi, viertgrößte Stadt des Landes. Hier goss
es wie aus Kübeln, doch zum Glück hatten wir entgegen aller
Befürchtungen (in der Stadt gibt es mehrere relevante
Bahnhöfe) nur 100 Meter zum Bahnhofsgebäude
zurückzulegen. Wir reservierten einen Sitzplatz für den
nächsten Zug ins 67 km entfernte Vaslui (15,60 Lei - 3,65 €).
Schon schnell nach der Ankunft in Vaslui bemerkten wir: "Sooo
schön ist Vaslui nun
aber nicht!". Einfach nur langweilig, dreckig
und teilweise mächtig übel riechend. Das Problem war, dass es
noch 7,5 Stunden bis zum Anstoß des Derbies waren. Was also tun?
Erstmal ab zum Stadion und die Lage checken. Dort war auch schon ein
Tickethändler zu finden, bei dem Haupttribünenkarten für
20 RON (4,65 €) erworben werden konnten. Nächstes Problem: Wohin
mit dem Reiserucksack? Der Bahnhof bot keinerlei Möglichkeit
Gepäck auch nach 15 Uhr wieder abholen zu können, am Stadion
würde es auch wohl keine Chance geben. Also weiter zum Pizza essen
gehen um dort anschließend zu fragen ob man das Gepäck
für einige Stunden dort lassen könnte. Wir bekamen eine
Abfuhr, ebenso nach Anfrage in einem weiteren Restaurant, Café,
einer Bar und einem Hotel. Sehen wir etwa aus wie Terrorristen, die
eine Bombe deponieren wollen? Als nächstes steuerten wir das Hotel
Europa an, hier sollten wir endlich Glück haben. Wir schilderten
an der Rezeption ein weiteres Mal unser Problem und bekamen von dem
Herren hinter dem Tresen mit einer doch etwas femininen Stimme als
Antwort: "...and where is the problem?". Wie konnten unsere Sachen bis
zum Abend in der Lobby abstellen. Geht doch! Den Nachmittag konnten wir
doch noch ganz passabel herumbekommen, denn wir fanden mit dem Irish
Pub "Dublin" einen wirklich gemütlichen und angenehmen Schuppen.
Hier sprach man kein Wort englisch, spielte dafür jedoch die ganze
Zeit 90er Jahre Klassiker wie Dr. Alban, Haddaway und Scatman John! Ein
Kult!
Eine Stunde vor Spielbeginn brachen wir zum nahgelegenen
städtischen Stadion auf, einem Leichtathletikoval mit knapp 15.000
unüberdachten Sitzschalen in den Vereinsfarben des erst 2002
gegründeten Gastgebers. Die Anlage füllte sich mit 7.000
Zuschauern, darunter knapp 250 Gäste des Lokalrivalen. Vaslui war
das bessere zweier schwacher Teams und durfte nach 90 Minuten Spielzeit
den Sieg für sich verbuchen. Dabei wurde die Partie für
mehrere Minuten unterbrochen, da der Gästekeeper sich nach einem
Zusammenprall mit einem gegnerischen Spieler schwer verletzte und
minutenlang regungslos am Boden liegen blieb. Nach dem der Krankenwagen
ihm vom Feld holte und der Ersatzkeeper ins Spiel kam, konnte es
weitergehen. Doch auch der blieb einige Zeit später minutenlang
vor dem Tor liegen und es wurde schon darüber diskutiert welcher
Feldspieler nun seine Position einnehmen konnte, allerdings konnte er
dann doch noch weiterspielen. Von der Lautstärke im Stadion hatte
man sich vielleicht etwas mehr erwartet, sollte es sich bei diesem
Spiel doch um ein recht lohnenswertes Derby handeln. Der
Gästeblock war sehr schwach und blieb zum Beispiel nach dem ersten
Gegentreffer für lange Zeit völlig Still. Da waren die
Heimanhänger schon etwas euphorischer, hatten ganz nette Sanges-,
Hüpf- und Klatscheinlagen dabei. War ganz gut! Auf beiden Seiten
wurden diverse Spruchbänder aber auch diverse Choreographien
präsentiert. Vaslui zeigte eine Wendechoreo, bei der auf der
linken Seite ein Fan mit Feuerzeug, auf der rechten Seite einer mit
Benzinkanister und in der Mitte das Logo des Gegners auf einzelnen
Zetteln gezeigt wurde. Die Zettel wurden von unten nach oben verlaufend
umgedreht, so dass zunächst unten Flammen zu erkennen waren,
welche in den Schriftzug Vaslui übergingen und das Iasi-Logo
verbrannten, bis nur ein weißer Hintergrund blieb! In Hälfte
zwei kamen dann gut 15 Bengalen (teilweise als Blinkbengalen) zum
Einsatz, was ein wirklich fettes Bild abgab! Der Rauch nebelte das
komplette Stadion ein, doch der Schiedsrichter zog wohl nicht einmal
überhaupt in Erwägung das Spiel zu unterbrechen. Daraufhin
präsentierten die Gäste nun zahlreiche grüne
Papptaffeln, einige Spielerbilder sowie ein Spruchband und entsorgten
zwei Bengalen auf dem Spielfeld. Dann auch hier noch eine animierte
Choreo in Form einer Jagtszene im Tom & Jerry Verschnitt, bei dem
der Gejagte am Ende in eine Falle fiel. Unterm Strich doch noch ein
lohnenswerter Spielbesuch.
Nach einem Abstecher im Hotel zwecks Abholung unserer Rucksäcke
ließen wir den Abend in dem Pub ausklingen, den wir schon am
Nachmittag besucht hatten. Die Bedienung freute sich sehr über
unser Wiederkommen und empfahl uns ein Club-Sandwich, welches sich als
sehr lohnenswert herausstellte. Lecker! Erst gegen 00:30 Uhr folgte die
Weiterfahrt im doch sehr ungemütlichen und engen 6er Liegewagen,
doch die Nacht sollte eh wieder recht kurz werden.
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