4.
März 2009
Mittwoch, 14:00 Uhr OEZ
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Divizia Naţională
(1. Liga Republik Moldau)
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300
Zuschauer
(20 Gäste)
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Stadionul Sătesc
(1.500)
MD-2001 Chişinău,
Ghidighici
Republik Moldau (Municipiu Chişinău) |
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Geil,
nach drei Jahren Abstinenz
ging es heute endlich mal wieder nach Romania! Gab es damals noch eine
Anreise mit dem Zug, entschied man sich dies mal gemeinsam mit dem
BTH-Jens für einen Billigflieger von Germanwings für 50 € von
Köln/Bonn nach Bukarest-Baneasa und zurück. Dafür sollte
nun ein kleiner Abstecher nach Moldawien, genau genommen in die
Republik Moldau unternommen werden. Wenige Minuten nach meiner Ankunft
am Kölner Hauptbahnhof am Dienstagmittag traf auch schon der Zug
aus Hannover ein, so dass wir uns nun zusammen auf den Weg zum
Flughafen machen konnten. Noch fix was futtern, Check-in,
Sicherheitskontrolle, Boarding, Abflug - das übliche! Nach 2,5
Stunden Flug erreichten wir den Aeroportului Baneasa, wo die vielen
Taxifahrer schon wieder drauf lauerten ihrem Lieblingshobby "Abzocki
Touristika" nachzugehen. Wie später von zwei Opfern zu hören
war, kann so eine 7 km Fahrt ins Zentrum von Bukarest schon mal 25-30 €
kosten (Preis ohne Beschiss: ca. 3 €). Wir entschieden uns da lieber
für eine Busfahrt zum Preis von 1,3 rumänischen Lei, also
umgerechnet 30 Cent (1 Leu = 0,23 €). Auf der Suche nach der richtigen
Linie trafen wir auf einen jungen Mann aus Remscheid, welcher hier in
Rumänien ein freiwilliges soziales Jahr machen möchte. Auch
nicht schlecht! Nach der Ankunft am Gara de Nord hieß es
zunächst die Reservierungen für den Nachtzug nach Chisinau
klar zu machen, für 113 RON (26,50 €) im 4er Liegewagen war man
letztlich dabei. Dann noch eben einen Abstecher zum leckeren und
günstigen Pizza Fast Food "Springtime" im Bahnhof und schon war
man glücklich!
19:57 Uhr - Beginn der gut 14-stündigen Fahrt in die Hauptstadt
des Nachbarlandes. Uhhh, welch Styl die Innenausstattung dieses Zuges
doch hat! Überall rote Fransenteppiche wie bei Oma Zuhause, dazu
rot-gemusterte Gardinen und rosa Blümchenbettwäsche!
Beschriftungen innerhalb des Zuges komplett in kyrillischer Schrift,
wobei innerhalb Moldawiens zumeist Doppelbezeichnungen zu lesen sind
(Standard sind unsere latainischen Schriftzeichen, eine Ausnahme bildet
die autonome Republik Transnistrien im Osten des Landes). Wir waren zu
dritt im Abteil, unser Zimmernachbar war ein gebürtiger Moldauer,
welcher nun sein Geld als Koch in Köln verdient und für
einige Wochen auf Verwandtschaftsbesuch nach Chisinau fährt. Er
hatte seine ganz eigenen Ansichten von der Frauenwelt: "Deutsche Frauen
nix gut! Machen ärger und nie zufrieden! Moldawisch Frauen gut,
stehen Zuhause Herd! Du kommen nach Hause, sitzen Coach, trinken
Bier!". Der eh schon schlechte Schlaf wurde unterbrochen durch die
Passkontrollen in Rumänien und Moldawien, sowie der knapp
1,5-stündigen Prozedur des Umspurens gegen 5 Uhr früh.
Innerhalb Moldaus wird die alte russische Spurbreite genutzt, so dass
jeder Wagen einzeln angehoben wird und mit Achsen der schmaleren
Spurbreite versehen wird. Ziemlich nervige Angelegenheit, zumal man aus
dem Fenster hinaus kaum etwas sieht. Pünktlich um 08:52 Uhr
erreichten wir dann unseren Zielbahnhof: Кишинев! Im Land wird mit moldauischen Lei bezahlt, 100 MDL
entsprechen dabei 7,40 €. Nach der Geldbeschaffung (unzählige
Wechselstuben stehen zur Auswahl) und einem ersten Abstecher über
den riesigen Gammelmarkt (spästens hier wurde einem bewusst was
für Hammerfrauen es doch in diesem Land gibt) wurde
es Zeit unsere Unterkunft für die nächsten beiden Tage
aufzusuchen. Wir fanden ihn in einem recht unscheinbaren Hinterhof, welcher unter
anderen
Umständen sicherlich nicht zu einem Besuch einladen würde.
Hier aber sollte das Hostel Chisinau zu finden sein, welches vorab im
Internet gebucht wurde (9 € pro Person/Nacht). Rein in die Haustür
mit der Bezeichnung "1-9", dann Treppen rauf zum Appartment Nummer 1.
Wir schellten und es öffnete uns ein Gast, ein Amerikaner. Doch
kurze Zeit später stand dann unsere Gastgeberin vor uns. Schon
jetzt wussten wir: Alles richtig gemacht! Sie hieß Aliona und war
ein zierliches, aber absolut süßes Mädel mit viel zu
knappen hautengen knallroten Topp. Hier wurde einem klar warum die
Republik Moldau das zweitärmste Land Europas ist, so hatte das
gute Mädchen doch noch nicht einmal etwas zum Drunterziehen!
Puuuh! Sie zeigte uns die Räume
und wir waren gleich begeistert vom Appartment. Das Angebot zur
Internetnutzung sollte schnell angenommen werden, schließlich gab
es kurz vor Abfahrt aus Deutschland noch eine Spielplanänderung in
der moldauischen Liga, so dass ein wenig umgeplant werden musste. Ziel
war der Vorort Ghidighici, wo es heute zu einem kleinen Derby kam, bei
dem der Länderpunkt eingestrichen werden sollte. Aliona schaute
etwas verwirrt, als sie auf den Monitor blickte und so von unserem
Vorhaben erfuhr. Mit Fußball konnte sie nichts anfangen, mit
Fußball in diesem Land schon mal gar nicht! Doch sie bot sofort
ihre Hilfe an: "Hey Guys, wait a second. I'll call somebody who knows
the direction!". Wenig später hatten wir alle nötigen Infos,
sensationell! Nach etwas Zeit zum ausruhen und frischmachen sowie 200
Metern Fußweg zur Haltestelle fanden wir uns im Bus wieder.
Kostenpunkt für die knapp 13 km weite Fahrt: 2,5 MDL, also 19
Cent! Bei uns bekommt man dafür nicht mal einen feuchten
Händedruck vom Busfahrer (aber wer gibt dem Busfahrer auch schon
die Hand?!?). Gezahlt wird so: Einsteigen, Geldscheine bereit halten,
warten bis die Busnixe vorbeikommt, Scheine hingeben, Busticket
entgegen nehmen, fertig! Die Fahrten innerhalb der Hauptstadt kosten je
nach Bus zwischen 1 und 3 MDL, also quasi gar nichts. Direkt hinter der
Haltestelle in Ghidighici war auch schon der Sportplatz zu finden, auf
dem heute gespielt werden sollte. Doch wir waren viel zu früh
dran, schlenderten noch ein wenig durch das Dorf, welches zahlreiche
unbefestigte Seitenstraßen mit
kleinen Häuschen und Hütten zu bieten hat (moderne
Häuser waren aber auch zu finden). Zahlreiche Brunnen sorgen hier
für die Wasserversorgung. Um 14 Uhr war kick-off beim erst im
Sommer 2008 gegründeten Fusionsclub CSCA-Rapid und es fanden sich
gut 300 Zuschauer bei freien Eintritt auf dem durch vier Bankreihen auf
einer Seite ausgebauten Sportplatz ein. Ein müder Kick mit einem
Gästesieg des 8-fachen Landesmeisters FC Zimbru. Doch wir sind ja
nicht hier um guten Fußball zu gucken. Zimbru brachte zwölf
Gästesupporter und zwei Zaunfahnen mit, doch akustische
Höhepunkte während des Spiels waren die Tritte gegen das
Leder sowie die zahlreichen heulenden Hunde im Hintergrund.
Irgendwann hatte das Warten auf den nächsten Bus zurück in
die Stadt ein Ende. Wir kehrten zum Hostel zurück und lernten die
zweite Dame des Hauses kennen: Tanya - ein ebenfalls sehr
gastfreundliches und sympathisches Mädel. Aliona kam dazu und wir
unterhielten uns darüber was man sich am nächsten Tag
unbedingt anschauen müsste. Die unvorstellbar großen
Weinkeller von Milesti Mici sollen beeindrucken, doch auch die
Höhenklöster von Orheiul Vechi sollen sehr sehenswert sein.
Es sollte wohl nach Orheiul Vechi gehen, somit war jedoch eine
Weinprobe nicht mehr möglich. Die Mädels fragten uns nun ob
wir denn nicht Lust hätten morgen eine private Weinverkostung zu
machen, wir wären herzlich eingeladen! Ey na klaro, da sind wir
doch dabei! Doch zunächst sollte dieser Abend noch rumgebracht
werden. Jens und ich folgten dem Ratschlag zu einem Filialbesuch der
Restaurantkette "Andy's Pizza". Super lecker, super günstig!
Für solch ein Steak mit Pommes, Salat und Bier hätte man in
Deutschland ein halbes Vermögen bezahlt, hier nur knapp 6 €. Es
folgte ein kurzer Besuch im "Beer House", welches zwar deutsche Preise
bietet, dafür jedoch mit einem äußerst edlen Ambiente
aufwartet. Mit einem intenstiven Gespräch mit dem Amerikanski
(arbeitet sechs Monate sehr hart und hat dann sechs Monate frei, cruist
nun vier Monate lang quer durch Europa und anschließend zwei
Monate durch Amerika) bis zwei Uhr in der Nacht ließen wir dann
den Tag ausklingen.
Donnerstag, 5. März: Der Tag blieb Fußballfrei und wir
sollten genügend Zeit für die Stadt und das Land haben. Nach
dem wir beiden für knapp zwei Stunden die Wohnung bewachen
sollten, machten wir uns auf dem Weg zum Südbahnhof um uns Tickets
für die morgige Fahrt nach Rumänien zu organisieren. Dies mal
mit einem Microbus, welcher typischerweise ein umgebauter weißer
Mercedes Benz Sprinter ist und ohne regelmäßigen Fahrplan
die Strecken abfährt. "Gara de Sud - Gara de Sud" wird in diesem
Fall vom Fahrer gerufen, also rein in den gut besetzten Wagen, 3 MDL
gezahlt und ab die Post! Nach erfolgreicher Ticketbeschaffung trieb es
uns wieder zum Markt, wo wir diese und jene Leckereien probierten und
ich mir auch gleich mal einen neuen Rucksack gönnte. Gleich neben
dem Markt ist der zentrale Busbahnhof zu finden, wo auch der Bus nach
Orheiul Vechi abfahren sollte. Hier herrscht ein absolutes Chaos mit
Hunderten von Bussen und Microbussen! Nach gut 20 Minuten herumirren
hatten wir unseren Bus immer noch nicht gefunden und wir erfuhren
letztendlich dass der nächste Bus erst am Abend fahren würde.
Das passte uns nun wirklich nicht in den Plan. Da auch unsere
Alternative Milesti Mici schlecht zu erreichen war beließen wir
es an diesem Tag bei einem Stadtrundgang und Rundfahrt durch Chisinau.
Eigentlich kann man nicht sagen dass die Stadt sonderlich hübsch
ist (hässlich auch nicht), doch aus irgendeinem Grund weiß
sie trotzdem sehr zu gefallen. Einfach sympathisch! Bei einem Abstecher
ins Hostel wollten wir herausfinden wie wir am besten zum Zimbru-Stadion (Nationalstadion)
fürs Groundspotting kommen würden. Natürlich haben die
Mädels dies auch wieder mitbekommen, was uns wohl endgültig
als Fußballfreaks abstempeln ließ, aber wieder einmal eine
genaue Beschreibung der Busverbindung dorthin einbrachte. Wir fanden
uns etwas später in einer üblen Gegend mit riesigen
Plattenbaukomplexen wieder. Mit der Kamera in der Hand spazierten wir
durchs Stadiontor, doch wir wurden schnell von einer unfreundlichen
Stimme gestoppt: "Fara Fotografie!!!". Muie Stadionpförtner! Auch
beim zweiten Eingang, welcher durch einen Sicherheitsmann
geschützt wurde, hatten wir keinen Erfolg, auch wenn der zumindest
etwas netter rüberkam. Muss auch ein aufregender Job sein, den
ganzen Tag ein leeres Stadion zu bewachen! Noch eben eine Pizza bei
Andy's am Opernhaus eingeworfen und schon ging es wieder zum
Appartment. Schließlich hatten wir um 19 Uhr einen wichtigen
Termin! Der Amerikanski war inzwischen nicht mehr da und wir blieben
als einzige Gäste übrig, Aliona und Tanya hingegen haben sich
schick gemacht und begannen den Tisch mit einheimischen
Spezialitäten sowie drei Flaschen Wein zu decken. Unsere Hilfe
dabei wurde abgeschlagen, wir seien doch schließlich eingeladen!
Es entwickelte sich eine lange, angenehme Unterhaltung bei der viel
gelacht wurde und die Flaschen bis auf den letzten Tropfen geleert
wurden. Wir erzählten viel voneinander und über die
verschiedenen Kulturen unserer Länder. Es war eine tolle und
ehrlich gemeinte Gastfreundschaft. Mulţumesc! Chisinau war ein tolles
Erlebnis,
sehr gerne wäre ich noch länger hiergeblieben.
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