|
Das
wars... der SV Meppen ist in der nächsten Saison
Fünftklassig! Welch bitterer Abend in Kiel und welch derbe
Enttäuschung, nach dem die Hoffnungen zuletzt so groß waren.
Zwei Punkte stand man vor Oldenburg, ein Sieg beim schon sicheren
Meister Holstein Kiel hätte gereicht um den Rivalen in die 5. Liga
zu schicken. Doch stattdessen wird man nun selbst gegen Heessel, Bad
Rothenfelde und Rehden spielen. Die Rückrundenmeisterschaft ist
nur ein schwacher Trost, denn die Hinrunde wurde mit einem schwachen
14. Platz völlig in den Sand gesetzt. Beim Blick auf die
Abschlusstabelle steht der SVM nun auf Platz 8, während Oldenburg
sich am Abend durch ein 6-0 gegen Schlusslicht Henstedt-Rhen den
Relegationsplatz sicherte.
Seit Tagen war die Anspannung sehr groß. Der Tag der "Blutrache
30.05." (so titelten die Kieler Fans) rückte näher und man
wurde Zeuge welche Begeisterung plötzlich im Emsland herrschte.
Standen vor einem Monat noch abgezählte 24 blau-weiße Fans
im Lübecker Gästeblock, so wurde für das Spiel heute die
Aktion 1.000+ ins Leben gerufen. Ganz so viele Gästefans wurden es
letztlich nicht, doch immerhin nahmen knapp 800 Emsländer in einem
der acht Busse oder im privaten PKW den mehr als 300 km weiten Weg an
einem Freitag abend auf sich. Der Gästeblock im Holstein-Stadion
füllte sich mehr und mehr und auch die Stimmung wurde immer
besser, je näher der Anpfiff heranrückte. Da man kaum
Fahnenstangen mit ins Stadion bekam und sogar Spruchbänder
verboten waren, setzte man seine Energie voll und ganz auf den
akustischen Support der Mannschaft. So konnten die Kieler im Gegensatz
zu uns zu Spielbeginn eine Choreographie zeigen. "Kiel gewinnt"
hieß es auf einem großen Tuch im Heimblock in Anlehnung auf
das Spiel mit den gelben und roten Plastikmünzen. Zwar waren ihre
Gesänge bei uns nur selten zu hören, da wir selbst mit dem
Support beschäftigt waren, doch war die Stimmung von Heim- und
Gästefans während des Spiels für ein Oberligaspiel doch
schon sehr gut. Unser Support hatte es besonders während der
ersten 45 Minuten in sich! Die Masse zog mit und die emsländischen
Kehlen trugen ihre Mannschaft nach vorne. Es hat sich gelohnt. Der
Jubel kannte keine Grenzen nach dem Führungstreffer der Meppener
von Eray Bayraktar nach 30 Spielminuten. Zwar lag
Oldenburg zu der Zeit schon mit 2-0 vorne, doch mit diesem Treffer
hätten wir die Relegationsrunde erreicht und Oldenburg wäre
abgestiegen. Mit der Führung ging es in die Pause und man malte
sich schon aus wie man vor 10.000 Zuschauern in der Relegation spielen
würde falls, ja falls es denn bei drei Punkten bleiben würde.
Doch das Spiel war noch längst nicht Zuende. 52. Spielminute;
Freistoß für Kiel. Michael Holt,
welcher im Sommer von der Ems an die Förde wechselte und schon
seit seiner Kindheit ein eingefleischter Meppen-Fan ist, trat an... und
schoss den Ball durch die schlecht gestellte Mauer hindurch ins Tor. Es
war der Ausgleich und zugleich der Todesstoß für den SVM
tief herab in die Oberliga Niedersachsen West. Ausgerechnet Holt! Er
selbst zeigte keine Freude, schämte sich eher für sein Tor zu
dem er dann später sagte "Habt ihr jemals einen schlechteren
Freistoß gesehen?". Nicht er hat uns in die 5. Liga geschossen,
es war die furchtbar schlechte Hinrunde. Oldenburg zog Dank der
besseren Tordifferenz an uns vorbei und unser Traum war entgültig
geplatzt. Dem Schlusspfiff folgte Fassungslosigkeit, Trauer und
Tränen. Abstieg! Dorfplätze statt Essen, Münster oder
Magdeburg. Doch bis zum letzten Spieltag kämpften wir um die
Regionalliga, wer hätte das vor einem halben Jahr überhaupt
noch für möglich gehalten?
Aber da war doch noch was... richtig, die Sache mit der Blutrache. Nach
dem Hinspiel im März ging die Ultras Kiel-Fahne in den Besitz von
Meppen sowie diverse Fahnen aus Meppen in den Besitz von Kiel
über. Aufgrund von zwei Hundertschaften im und um das Stadion
herum kam es vor und nach dem Spiel zu keinerlei Kontakt zwischen den
beiden Fangruppen. Dann in der zweiten Spielhälfte
präsentierte Kiel einen Teil unserer Fahnen in Form der Buchstaben
"Ihr Lappen" vor einem großen "Oncle Sam" sowie kurz darauf
sieben Doppelhalter mit den Buchstaben "Supside", ebenfalls aus
Meppener Fahnen. Die Emotionen kochten hoch, so dass auch wir den
Kielern ein letztes mal ihre Fahne zeigten. In mehrere Teile zerrissen
gab es nun immer wieder Feuer am Zaun. Die Fahne brannte lichterloh!
Auch ein kleiner Teil Bengalen und Rauch kamen nun noch zum Einsatz,
was die Staatsmacht veranlasste den Block zu entern. Sie machten eine
kleine Schneise in den Block und trennten ihn somit für einige
Minuten in zwei Teile. Perfekter ging es nicht, denn nun wurde ein
recht energischer Wechselgesang angestimmt. Doch so nett blieben sie
nicht... Ein großer Teil der Fans blieb noch lange Zeit im
Gästeblock um den Abstieg erstmal zu verarbeiten ehe es nun eine
Blocksperre gab und auch der untere Teil des Blocks nach und nach
geräumt werden sollte. Deeskalation sieht anders aus, denn die
übrig gebliebenen Meppener wurden nun in Richtung Stufen
zusammengedrängt und zu allem übel kam es zu einem massiven
Einsatz von Pfefferspray, Polizeihunden und Schlagstöcken.
Sicherlich sind nicht alle Meppener Unschuldslämmer, doch solch
ein überzogenes Verhalten war alles andere als angebracht und
machte die Sache auch nicht mehr besser. Unfassbar! Ein Teil der Busse
war inzwischen schon abgefahren, so dass man sich auf die übrig
geliebenen Busse aufteilte. In der Nacht war man wieder zurück im
Emsland. Immer noch niedergeschlagen, traurig, verzweifelt und einfach
nur leer. Es hätte so schön sein können....
|