VfB Stuttgart
3 - 1 Karlsruher SC
23. Februar 2008
Samstag, 15:30 Uhr
Bundesliga
55.000 Zuschauer, ausverkauft
(7.000 Gäste)
Gottlieb-Daimler-Stadion (55.000)
Mercedesstraße 87
70372 Stuttgart
Baden-Württemberg
Das Baden-Württembergische Derby zwischen Stuttgart und dem KSC gehört mittlerweile wohl zu den brisantesten Spielen in Deutschland. Wobei das Hinrundenspiel vor einigen Monaten das erste Aufeinandertreffen der beiden Kontrahenten seit 9 Jahren war. Karlsruhe spielte seit 1998/99 in der Zweit- und gar Drittklassigkeit, ehe im vergangenen Sommer der Aufstieg ins Oberhaus des deutschen Fußballs gemeistert werden konnte. Zwei Stunden vor dem Spiel stand ich nun also vor dem Gottlieb-Daimler-Stadion und hoffte dass ich noch irgendwie ein Ticket für das bereits längst ausverkaufte Spiel bekommen könnte. Und tatsächlich, nach einigem hin- und hermarschieren wurde ich fündig! Mit 35 € für ein Ticket der Unterturkheimer Kurve (Originalpreis 20 €) war ich dabei. Wie sich später herausstellte ein ordendlicher Platz hinter dem Tor und in der Nähe der Gäste. Bestens!

Von der Atmosphäre versprach ich mir einiges, und ich sollte nicht enttäuscht werden. In der Cannstatter Kurve ging es auch gleich gut los. Hinter einer Choreographie mit der Popeye-Figur des Commando Cannstatt-Logos gab es die erste von vielen Stuttgarter Rauchentwicklungen. Einige male konnten lodernde Feuer bestaunt werden, KSC-Fahnen wurden präsentiert und verbrannt. Dazu wurden immer wieder originelle Spruchbänder gezeigt. Der Support der Cannstatter Kurve war auf der gegenüberliegenden Kurve teilweise gut zu hören, bei einigen Gassenhauern zog auch das ganze Stadion mit. Die Gästeanhänger konnten einen überzeugenden Support abliefern, optisch gab es von ihnen allerdings gar nichts besonderes. Zumindest bis zur 65. Minute! Plötzlich wurde eine Rakete aufs Spielfeld abgefeuert. Und dabei blieb es nicht. Der Gästeblock verwandelte sich in Sekunden in ein Tollhaus! Nun wurde eine Rakete nach dem anderen aufs Spielfeld und den gegnerischen Rängen abgeschossen (letztlich vielleicht 10-15 Stück), Blinkbengalen aufs Spielfeld geworfen und der Block selbst unter Rauch gesetzt. Ein Wahnsinnsanblick! Jawohl, spätestens nun wird einem klar: Hassderby! Und zwar zwischen den Baden und den Württembergern. Gar nicht auszudenken wie viele Stadionverbote es für diese Aktion hageln wird. Schiri Dr. Markus Merk unterbrach das Spiel für einige Momente, ehe es unter starken "Nebel" wieder angepfiffen wurde. Inzwischen stand es bereits 2-0 für den Gastgeber, welcher ja als aktueller Deutscher Meister ins Spiel ging, nun aber überraschend zwei Tabellenplätze unter dem KSC auf Platz 8 rangiert. Mario Gomez traf bereits nach 5 Minuten, Roberto Hilbert erhöhte den Spielstand nach 26 Minuten. Karlsruhe kam durch einen Treffer von Hajnal in der 81. Minute noch einmal ran, doch zwei Minuten vor Spielende machte Cacau mit seinem 3-1 den Sack zu. Insgesamt allerdings ein Derby der schwächeren Sorte im ehemaligen Neckarstadion, welches sich zum Glück noch von den neuen Bundesligaarenen abheben kann. Trotz weitläufiger Leichtathletikbahn und nur wenigen Stehplätzen (kombinierte Steh- und Sitzplätze) weiß es doch irgendwie zu gefallen. Ein lichtdurchlässiges markantes Dach sorgt sowohl für den Wetterschutz, als auch für das Gewisse Etwas.

Nach dem Spiel blieb noch einige Zeit für die Stadt. Von Stuttgart sollte es am abend direkt weiter nach Hannover gehen, wo der SV Meppen am Sonntag Nachmittag bei den 96-Amateuren spielen sollte. Ich entschied mich für einen Umweg über Offenburg, da man von dort in der Nacht mit einem ICE direkt bis Osnabrück durchfahren konnte und ich vielleicht etwas Schlaf bekommen könnte. Auf meinem Tchibo-Ticket hatte ich den deutsch-französischen Grenzort Kehl (hinter Offenburg) eingetragen, da als Alternative fürs das Derby in Stuttgart ein Spiel beim französischen Erstligisten Racing Strasbourg herhalten sollte. Wäre mit Auto sicherlich ein netter Doppler gewesen!  Und siehe da, tatsächlich hatte ich während der 8-stündigen Fahrt ein Sechser-Abteil für mich alleine. Bei meinem Glück bekam ich trotzdem keinen echten Schlaf, so dass ich halb Deutschland in der Nacht an mir vorbeirauschen sah. Von Osnabrück sollte es mit einem Regionalzug weiter nach Hannover gehen, zwei Stunden vor den anderen Meppenern Zugfahrern. Nach dem knapp 25 Minuten gefahren wurden machte der Zug plötzlich eine Vollbremsung und blieb stehen. "Personenschaden" meldete der Zugführer. Polizei- und Rettungskräfte liefen bald am Zug entlang, bis einer vor meinem Fenster stehen blieb, nach unten zeigte und laut rief "Hier liegt einer!". Große Klasse, ich saß genau über den Leichenteilen. Zum Glück nichts gesehen, bis auf das Eintreffen von Staatsanwaltschaft und Co. Andere Zugreisende ärgerten sich allerdings dass man doch die Fenster nicht öffnen könne um mehr zu sehen. Wie die Geier standen sie vor den Scheiben! Unfassbar! Nach knapp einer Stunde rollte der Zug bis zum nächsten Bahnhof Kirchlengern weiter, wo es dann mit einem Bus weiter nach Löhne ging und den nächsten Zug richtung Hannover zu erreichen. Und siehe da, in diesem Zug saßen auch schon die knapp 45 blau-weißen Zugfahrer.



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