Schon seit meiner
Kindheit wollte ich unbedingt mal ein Heimspiel des AC Mailand sehen.
Heute konnte ich mir diesen Traum endlich mal erfüllen! Einige
Stunden vor Kick-off stand ich im Schatten des
Giuseppe Meazza Stadions, auch bekannt als "San Siro" nach dem
gleichnamigen Stadtteil. Ein wirklich beeindruckendes Bauwerk, welches
zu Recht als eines der schönsten Stadien der Welt gehandelt wird.
Auf dem ersten Blick fallen die zehn spiralförmigen Aufgänge
ins Auge, welche dem Stadion einen unverwechselbaren Charakter geben.
Diese gibt es aber erst seit dem das Stadion um einen dritten
Zuschauerrang für die WM 1990 erweitert wurde. Lediglich eine
Seite muss ohne einen dritten Rang auskommen, ansonsten aber wirken die
Ränge sehr hoch und steil. Sämtliche 85.700 Sitzplätze
sind überdacht. Das Stadion füllte sich mehr und mehr bis es
knapp 45.000 waren, welche sich das kleine Derby gegen Bergamo nicht
entgehen lassen wollten. Milan (Mailänder Dialekt für Milano)
hatte namenhafte Spieler wie Dida, Kaká, Gattuso, Seedorf oder
Stürmerstar Ronaldo in ihren Reihen und gewann die gut
anzuschauende Partie letztlich verdient. Ronaldo zeigte mehrere klasse
Szenen, das Tor des Tages schoss allerdings Ambrosini nach 40 Minuten.
Die Milan-Supporter versammelten sich im Mittelrang der
Hintertortribüne und konnten mit teils recht lauten Gesängen
überzeugen. Immer mal wieder kamen die Schwenkfahnen zum Einsatz.
Aber auch die Gäste gingen nicht zimperlich mit ihren Kehlen um,
so dass es ein nettes Gesangsduell gab. Von ihnen wurden optisch
maximal
ein paar kleinere Schwenkfahnen sowie eine Blockfahne geboten. Hier gab
es im
Gegensatz zu den beiden vorrangegangenen Spielen während der
ersten
Hälfte glücklicherweise keinen Protest gegen die aktuellen
Geschehnisse.
Der Heimflug war erst für Montagabend gebucht, es blieb also Zeit
genug die Stadt ein kleines bisschen intensiver kennen zu lernen. Als
Herberge diente ein zweites
mal das
Hostel,
in dem das Zimmer dies mal bis auf den letzten Platz
belegt war. Irgendwann mitten in der Nacht weckte mich eine
bildhübsche Italienerin und war der Meinung dass ich in ihrem
reservierten Bettchen schlafen würde. Sie hätte sich doch
ruhig dazulegen können, das ist doch alles gar kein Problem! Tat
sie aber nicht und so träumte ich alleine weiter vor mich hin
(nein, nicht von ihr). Am nächsten Tag gab es ausgiebiges
Sightseeing in der Mailänder City. Natürlich durfte ein
Besuch im Dom nicht fehlen. Direkt neben Prada und Luis Vuitton konnte
sogar ein ziemlich nobler McDoof ausgemacht werden, welcher aber
ausnahmsweise mal nicht besucht wurde. Die Stadt selbst ist ein reines
Meisterwerk, überall prunkvolle und gotische Gebäude, so
weit das Auge reicht. Die Zeit war viel zu kurz für diese Stadt.
Montag gegen 22:30 stand ich nun wieder auf deutschen Boden und nach 30
Minuten Fußweg am Bahnhof Holzwickede um von dort zumindest
erstmal nach Münster zu kommen. Dort mussten auch nur geschlagene
fünf Stunden rumgebracht werden, bis der erste Zug ins
Emsland fuhr. Gleis 9a war meine Rettung, denn hier gab es einen
beheizten Warteraum. Ich versuchte ein wenig Schlaf zu kriegen. Im Raum
schlief bereits jemand auf einer Bank, doch es war ja noch genug Platz
da. Plötzlich wachte er auf und sorgte für eine eher
ungewollte Showeinlage in Form von Trällern w
eltbekannter
Gossenhauer wie "Meine Mutter pickt Vogelfutter", "In
Münster da fallen die Züge von der Gleise" oder "Oma ist ne
Nutte". Ich versuchte mich mit Hilfe des MP3-Players schlafend zu
stellen, konnte mir mein grinsen dann aber doch nicht verkneifen.
Besuch gab es auch noch, erstens in Form der Polizei welche die
Personalien überprüfte und zweitens in Form der
DB-Sicherheit, welche einen Fahrschein sehen wollte. Am Dienstag um
06:03 Uhr stand ich schließlich wieder vor meinem eigenen Bett.
Arrivederci Italia, Moinsen Emsland!