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Heute
stand
das Westsachsenderby zwischen den beiden ehemaligen DDR-Meistern aus
Zwickau (1950 als Horch Zwickau) und dem 40 km entfernten Chemnitz
(1967 als FC Karl-Marx-Stadt, zuvor vier mal als SC Wismut
Karl-Marx-Stadt) auf dem Plan. Für die Anreise von der
deutsch-niederländischen in die deutsch-tschechische Grenzregion
opferte man einige Stunden schlaf, immerhin galt es bereits um 01:15
Uhr am Treffpunkt zu sein. Von hier aus ging es mit Exil-Westsachse
Fenomen (Red Kaos) per absolutem Landstraßenterror die 110 km
nach Bünde um Jörg einzusammeln. Der übernahm dann auf
der Weiterfahrt erstmal das Steuer, war dann aber
verständlicherweise doch etwas geschockt als plötzlich die
Bremsen versagten bzw. erst mit großer Verzögerung
funktionierten. Zum Glück ging es dann doch wieder (und
überhaupt, wer bremst verliert) und die restlichen paar Kilometer
nach Minden wurden mit größter Vorsicht zurückgelegt.
Ankunft 03:50 Uhr, 10 Minuten später sollte der Zug gen Zwickau
via Hannover und Göttingen starten. WOB-Freddy (oder sollte ich
sagen Zwickau-Alleshopper?) vervollständigte noch die
WE-Ticket-Runde. Da man in Zwickau angekommen früh dran war,
schaute sich die Dreier-Wessihopper-Combo noch das Eintreffen der
Chemnitzer am Bahnhof an (beobachtet von knapp 35 Einsatzwagen am
Bahnhof). Fazit: Hunderte recht üble Gestalten! Langsam
hinterhergetrabt überholten Jörg und ich die Meute (Freddy
war eh schon verschollen) und versorgten uns erstmal im Stadionnahen
LIDL-Markt. Hier sah man schon bald dass die Polizei nur wenig
Kontrolle hatte. Na ja, schon blöd wenn Ostderby und
Castor-Transport auf einen Tag fallen und die "besten" Leute für
Greenpeace und Co. abgestellt werden. Jedenfalls verließ ein
Großteil der Chemnitzer mal eben die Straße um durch die
Polizeikette hindurch gelaufen vorm LIDL Rast zu machen und um
Getränke zu besorgen. Die Markt-Türen wurde aber
natürlich erstmal Dicht gemacht, zum Unmut Dutzender Himmelsblauer
Gestalten. Man selbst stand vorm Laden und beobachtete das Geschehen um
einen herum, während ein kleiner Lebensmittel - Discounter - Snack
eingeworfen werden konnte.
13
Uhr - rein ins Westsachsenstadion. Block B war die beste Wahl. Im
ehemaligen Georgi-Dimitroff-Stadion mit seinem historischen Marathontor
und Turm fanden einst 40.000 Zuschauer einen Blick aufs Spielfeld (wie
im Europapokal der Pokalsieger 1977). Die uralten Stufen der
Schüssel sind zwar noch vorhanden, werden aber nicht mehr genutzt.
Auf ihnen wurden mehrere Stahlrohrtribünen mit insgesamt 11.200
Sitzplätzen gesetzt. Auch eine Gästetribüne ist
vorhanden. Dumm nur dass vom Verein ohne Genehmigung bauliche
Veränderungen vorgenommen wurden, nachdem sie von Chemnie
Leipzig-Anhängern zu großen Teilen auseinander genommen
wurde. Doch da im Ordnungsamt ja schlaue Leutchen hocken, wurde der
Block kurzerhand gesperrt. Zur Folge wurde heute den Chemnitzern der
F-Block und somit die komplette Gegengerade zugesprochen, welche sonst
von Zwickauern genutzt wird. Gleich Nebenan befindet sich die Curva
Kaos.
Zum
Intro gab es von einem Teil der gut 1.000-1.200
Gästeanhänger
ein blau-weißes Fahnenmeer sowie einen ca. 10 Meter hohen
Vereinswimpel zu sehen. Im Heimblock wurde aufgrund eines Protestes
optisch nur wenig geboten. Der Stimmungsmob dürfte sich aus gut
200 Fans zusammengesetzt haben, bei den Gästen waren es wohl
mindestens doppelt so viel so dass es sozusagen zu einem Heimspiel
für Chemnitz kam. Immer mal wieder gab es ansprechende
Gesänge. Gefallen konnte auch das parallele Hüpfen der beiden
Gruppierungen. Später gab es noch eine Rauchbombe der Gäste
zu sehen. Insgesamt eine passable Vorstellung, es dürfte aber
noch einiges mehr möglich sein. Zwickau ist nach seiner
1-jährigen Abstinenz in der Landesliga zurück in der Oberliga
und versucht derzeit Anschluss an das Mittelfeld der Tabelle zu halten.
Chemnitz dagegen kommt frisch aus der Regionalliga und arbeitet am
direkten Wiederaufstieg. Schon nach 7 Spielminuten stand das 0-1 auf
der Anzeigetafel. Das Spiel verlief weitestgehend Ereignislos. Nach
knapp 50 Minuten drohte der Schiri das Spiel abzubrechen falls es noch
einmal zum Wurf von Böllern von den Tribünen kommen sollte.
Nach einem weiteren Kanonenschlag wurde aber kommentarlos
weitergespielt. Zwischenzeitlich gelang den Hausherren der verdiente
Ausgleichstreffer. 70 Minuten waren gespielt als vom E-Block (RK
distanziert sich davon) eine
Leuchtspur mitten in den Gästeblock gefeuert wurde. Zwei Sekunden
später ein weiters mal. Nun wurde das Spiel unterbrochen. Die
aufgebrachten Chemnitzer stürmten zum Zaun Richtung Curva Kaos,
welcher wohl fast zu brechen schien. Der Durchbruch gelang aber nicht.
Nun trat die Staatsmacht in Aktion und versuchte die Gruppen mittels
Tränengas zu trennen. Besonders im Gästeblock kam es zu
einigen Tumulten. Nach 15 Minuten Unterbrechung wurde das Spiel aber
zur Verwunderung vieler Zuschauer doch noch fortgesetzt. Zwickau hatte
eine sehr gute Schlussphase und war dem Führungstreffer nahe.
Weder auf dem Spielfeld, noch auf den Rängen passierte nun noch
etwas Gravierendes. Das Abfeuern der Leuchtspuren einzelner Zwickauer
und die Böller dürften dem Verein wohl Teuer zu
Stehen bekommen, zumal der Verein bereits auf Bewährung war.
Zwickaus Präsident trat nach dem Spiel zurück, schob es auf
die Vorfälle. Dabei war in engeren Kreisen schon einige Zeit
bekannt dass er im Januar zurück treten wird. Die Medien titelten
am nächsten Tag allerdings Deutschlandweit "Zwickau-Präsident
tritt nach Ausschreitungen zurück".
Die 3 km vom Stadion zum Bahnhof
konnten zu Fuß zurückgelegt
werden. Im Zug nach Leipzig las ich gerade ein Dynamo
Dresden-Zine von Feno als plötzlich ein Chemiker an mir vorbei
ging und das Heft im Vorbeigehen anhob um zu schauen worum es sich
handelt. Wenig später rief er ein paar Meter weiter stehend an:
"Ja hier sitzen vier
Dynamos. Kommt mal zum Hbf!" mit ewig langem Gebrabbel. Passiert ist
dann aber wie zu erwarten nichts, reinste Panikmache. Nach Umstiegen in
Leipzig, Halle, Magdeburg, Oebisfelde, Wolfsburg und Hannover war man
dann auch schon Schwupps wieder in Minden (1:30 Uhr). Gegen 4 Uhr
sah man dann endlich wieder das eigene Bett. 27 Stunden für ein
Heimspiel, da kann einem der Exil-Westsachse schon irgendwie leid tun.
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