FSV Zwickau
1 - 1 Chemnitzer FC
11. November 2006
Samstag, 14:00 Uhr
Oberliga Nordost-Süd
(4. Liga)

2.931 Zuschauer
(1.100 Gäste)

Westsachsenstadion (14.200)
Geinitzstraße 22
08056 Zwickau-Schedewitz
Sachsen
Heute stand das Westsachsenderby zwischen den beiden ehemaligen DDR-Meistern aus Zwickau (1950 als Horch Zwickau) und dem 40 km entfernten Chemnitz (1967 als FC Karl-Marx-Stadt, zuvor vier mal als SC Wismut Karl-Marx-Stadt) auf dem Plan. Für die Anreise von der deutsch-niederländischen in die deutsch-tschechische Grenzregion opferte man einige Stunden schlaf, immerhin galt es bereits um 01:15 Uhr am Treffpunkt zu sein. Von hier aus ging es mit Exil-Westsachse Fenomen (Red Kaos) per absolutem Landstraßenterror die 110 km nach Bünde um Jörg einzusammeln. Der übernahm dann auf der Weiterfahrt erstmal das Steuer, war dann aber verständlicherweise doch etwas geschockt als plötzlich die Bremsen versagten bzw. erst mit großer Verzögerung funktionierten. Zum Glück ging es dann doch wieder (und überhaupt, wer bremst verliert) und die restlichen paar Kilometer nach Minden wurden mit größter Vorsicht zurückgelegt. Ankunft 03:50 Uhr, 10 Minuten später sollte der Zug gen Zwickau via Hannover und Göttingen starten. WOB-Freddy (oder sollte ich sagen Zwickau-Alleshopper?) vervollständigte noch die WE-Ticket-Runde. Da man in Zwickau angekommen früh dran war, schaute sich die Dreier-Wessihopper-Combo noch das Eintreffen der Chemnitzer am Bahnhof an (beobachtet von knapp 35 Einsatzwagen am Bahnhof). Fazit: Hunderte recht üble Gestalten! Langsam hinterhergetrabt überholten Jörg und ich die Meute (Freddy war eh schon verschollen) und versorgten uns erstmal im Stadionnahen LIDL-Markt. Hier sah man schon bald dass die Polizei nur wenig Kontrolle hatte. Na ja, schon blöd wenn Ostderby und Castor-Transport auf einen Tag fallen und die "besten" Leute für Greenpeace und Co. abgestellt werden. Jedenfalls verließ ein Großteil der Chemnitzer mal eben die Straße um durch die Polizeikette hindurch gelaufen vorm LIDL Rast zu machen und um Getränke zu besorgen. Die Markt-Türen wurde aber natürlich erstmal Dicht gemacht, zum Unmut Dutzender Himmelsblauer Gestalten. Man selbst stand vorm Laden und beobachtete das Geschehen um einen herum, während ein kleiner Lebensmittel - Discounter - Snack eingeworfen werden konnte.

13 Uhr - rein ins Westsachsenstadion. Block B war die beste Wahl. Im ehemaligen Georgi-Dimitroff-Stadion mit seinem historischen Marathontor und Turm fanden einst 40.000 Zuschauer einen Blick aufs Spielfeld (wie im Europapokal der Pokalsieger 1977). Die uralten Stufen der Schüssel sind zwar noch vorhanden, werden aber nicht mehr genutzt. Auf ihnen wurden mehrere Stahlrohrtribünen mit insgesamt 11.200 Sitzplätzen gesetzt. Auch eine Gästetribüne ist vorhanden. Dumm nur dass vom Verein ohne Genehmigung bauliche Veränderungen vorgenommen wurden, nachdem sie von Chemnie Leipzig-Anhängern zu großen Teilen auseinander genommen wurde. Doch da im Ordnungsamt ja schlaue Leutchen hocken, wurde der Block kurzerhand gesperrt. Zur Folge wurde heute den Chemnitzern der F-Block und somit die komplette Gegengerade zugesprochen, welche sonst von Zwickauern genutzt wird. Gleich Nebenan befindet sich die Curva Kaos.

Zum Intro gab es von einem Teil der gut 1.000-1.200 Gästeanhänger ein blau-weißes Fahnenmeer sowie einen ca. 10 Meter hohen Vereinswimpel zu sehen. Im Heimblock wurde aufgrund eines Protestes optisch nur wenig geboten. Der Stimmungsmob dürfte sich aus gut 200 Fans zusammengesetzt haben, bei den Gästen waren es wohl mindestens doppelt so viel so dass es sozusagen zu einem Heimspiel für Chemnitz kam. Immer mal wieder gab es ansprechende Gesänge. Gefallen konnte auch das parallele Hüpfen der beiden Gruppierungen. Später gab es noch eine Rauchbombe der Gäste zu sehen. Insgesamt eine passable Vorstellung, es dürfte aber noch einiges mehr möglich sein. Zwickau ist nach seiner 1-jährigen Abstinenz in der Landesliga zurück in der Oberliga und versucht derzeit Anschluss an das Mittelfeld der Tabelle zu halten. Chemnitz dagegen kommt frisch aus der Regionalliga und arbeitet am direkten Wiederaufstieg. Schon nach 7 Spielminuten stand das 0-1 auf der Anzeigetafel. Das Spiel verlief weitestgehend Ereignislos. Nach knapp 50 Minuten drohte der Schiri das Spiel abzubrechen falls es noch einmal zum Wurf von Böllern von den Tribünen kommen sollte. Nach einem weiteren Kanonenschlag wurde aber kommentarlos weitergespielt. Zwischenzeitlich gelang den Hausherren der verdiente Ausgleichstreffer. 70 Minuten waren gespielt als vom E-Block (RK distanziert sich davon) eine Leuchtspur mitten in den Gästeblock gefeuert wurde. Zwei Sekunden später ein weiters mal. Nun wurde das Spiel unterbrochen. Die aufgebrachten Chemnitzer stürmten zum Zaun Richtung Curva Kaos, welcher wohl fast zu brechen schien. Der Durchbruch gelang aber nicht. Nun trat die Staatsmacht in Aktion und versuchte die Gruppen mittels Tränengas zu trennen. Besonders im Gästeblock kam es zu einigen Tumulten. Nach 15 Minuten Unterbrechung wurde das Spiel aber zur Verwunderung vieler Zuschauer doch noch fortgesetzt. Zwickau hatte eine sehr gute Schlussphase und war dem Führungstreffer nahe. Weder auf dem Spielfeld, noch auf den Rängen passierte nun noch etwas Gravierendes. Das Abfeuern der Leuchtspuren einzelner Zwickauer und die Böller dürften dem Verein wohl Teuer zu Stehen bekommen, zumal der Verein bereits auf Bewährung war. Zwickaus Präsident trat nach dem Spiel zurück, schob es auf die Vorfälle. Dabei war in engeren Kreisen schon einige Zeit bekannt dass er im Januar zurück treten wird. Die Medien titelten am nächsten Tag allerdings Deutschlandweit "Zwickau-Präsident tritt nach Ausschreitungen zurück".

Die 3 km vom Stadion zum Bahnhof konnten zu Fuß zurückgelegt werden. Im Zug nach Leipzig las ich gerade ein Dynamo Dresden-Zine von Feno als plötzlich ein Chemiker an mir vorbei ging und das Heft im Vorbeigehen anhob um zu schauen worum es sich handelt. Wenig später rief er ein paar Meter weiter stehend an: "Ja hier sitzen vier Dynamos. Kommt mal zum Hbf!" mit ewig langem Gebrabbel. Passiert ist dann aber wie zu erwarten nichts, reinste Panikmache. Nach Umstiegen in Leipzig, Halle, Magdeburg, Oebisfelde, Wolfsburg und Hannover war man dann auch schon Schwupps wieder in Minden (1:30 Uhr). Gegen 4 Uhr sah man dann endlich wieder das eigene Bett. 27 Stunden für ein Heimspiel, da kann einem der Exil-Westsachse schon irgendwie leid tun.

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