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Am
frühen Morgen fiel der Blick aus dem Zugfenster auf die
Slums. Im Hintergrund erstreckten
sich die Hochhäuser empor. Das muss dann wohl Belgrad sein!
Belgrad - 1,2-Millionen-Einwohner -Hauptstadt einer "Staatlichen
Gemeinschaftt" der beiden Republiken Serbien und Montenegro. Raus aus
dem "Pumakäfig" Sechser-Abteil und rauf auf die Kreuzung vor dem
Bahnhof. Uff, hier ist die Luft auch nicht gerade besser. Sehr
erdrückend diese ganzen Auto-Abgase! Aber man gewöhnt sich
daran recht schnell. Nun erstmal fix Geld gewechselt (1 € = 86 Dinar),
nachdem man eine alte Bettlerin abschütteln konnte. Nunja, sie
wurde halt von den Beschäftigen der Wechselstube nicht gerade
zarghaft auf die Straße gesetzt. Nun konnte also die Tasche im
Bahnhof abgegeben, eine Tageszeitung gekauft und sich in die erste
McDonalds-Filiale des Balkans (1988 eröffnet) gesetzt werden
(BigMac, Pommes mit Cola kostet 3,15 €). Es stand ein Studium
der komplett Kyrillisch geschriebenen Sportzeitung "Sportski Zurnal"
an, wo wir dann auch schon Vormittagsansetzungen für den
Amateurfußball fanden. Der McDonalds-Angestellte half uns bei der
Lokalisierung der in der Auswahl stehenden Spiele. Welch Service! Etwa
10
km ausserhalb des Stadtzentrums sollte der Platz in Rakovica, einem
Belgrader Aussenbezirk, liegen. Das Angebot des zweiten Taxifahrers
wurde angenommen. Wie sich später herausstellte war aber selbst
dieser Preis noch viel zu hoch. Mit den dummen Deutschen kann mans ja
machen! Auf einer Landstraße zwischen Fluss und einer
Eisenbahntrasse hielt er plötzlich an. Ein Blick zur Rechten
machte uns Freude, hatte man vom Ground doch eigentlich gar nichts
erwartet. Es ging
rüber über die Gleise und rein in den Ground,
welcher 14 herrlich alte Stufen (welche mit zahlreichen Salamandern
bespickt waren) zu bieten
hatte. Sonst eigentlich nichts, ausser vielleicht einem schicken
Panorama. Gegengerade nicht begehbar. Der Ordner und "Mädchen
für alles" wurde auf uns
aufmerksam. Er sprach deutsch, hatte zig Jahre in Düsseldorf,
Duisburg, Krefeld & Co gearbeitet. Äusserst nett und
hilfsbereit war er, erzählte uns alles Wissenswertes
über den Verein. Der FK Rakovica sei ein Kind der örtlichen
Traktorenfabrik IMR.
Vor ein paar Jahren hätte man sogar noch in der 2. Liga gespielt!
Doch
der Großsponsor zog sein Engagement zurück und versetzte dem
Club somit auch den sportlichen Todesstoß. Doch immerhin, es
scheint noch etwas wie eine Fanszene zu
geben. "Ohhh viel laut. Oft Polizei. Viel boxen, viel boxen!" beschrieb
uns der Ordner (dessen Name ich zwar gehört hatte, aber nicht
mehr wiedergeben kann) die 25-köpfige jugendliche Fangruppe,
welche sich
geschlossen zum Spiel einfand. Es folgte ein
verhältnismäßig ansprechender Support mit fast
durchgängigem Gesang plus Toilettenrollenintro, zwei
Schwenkfahnen, Zaunfahne, eine Bengale und eine
Feuerlöscherchoreo.
Feuerlöscherchoreo? Jawohl, hatten die Jungs doch tatsächlich
aus dem Vereinsheim einen Feuerlöscher geklaut und somit
ordendlich Nebel verursacht. Das rief dann die Polizei auf den Plan,
welche die Jungs widerstandslos nach rund 60 Minuten aus dem Stadion
geleitete. Same procudure like every game?!? Unterdessen wurden wir
beim herumschlendern im Stadion von zwei jungen Männern aus
Rakovica auf ein
Bier eingeladen und es kam ein ganz interessantes Gespräch auf.
Chwala! Allgemein sehr sympatisch dort! Das Spiel gegen den ebenfalls
von einem Unternehmen aufgebauten FK Komgrap endete 0-2. Beiden
Mannschaften
half das wenig, dümpelten nach dem Spiel immer noch im Mittelfeld
der 2. Belgrader Liga rum. Unser Lieblingsordner brachte uns nach dem
Spiel noch zur
Bushaltestelle und wies einen Serben an uns zu zeigen, wo man zum
OFK-Ground umsteigen solle. Belgrad gefiel mir immer besser, das Wetter
tat sein übriges. Herrliche 25 Grad bei Sonnenschein sollte es an
diesem Tag noch geben.
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